Einen Blick ins Übermorgen werfen

Einen Blick ins Übermorgen werfen

Ein Gespräch mit Dr. Giovanni Prestifilippo über die Vernetzung von Softwaresystemen

Die PSI-Technologieplattform bündelt seit 50 Jahren Softwareerfahrung des PSI-Konzerns – und das aus gutem Grund. Die Anforderungen an die Beschaffungs- und Distributionslogistik werden immer komplexer und erfordern umfassende Lösungen, die zum einen das Bedürfnis nach Liefersicherheit erfüllen und zum anderen den ständigen Prozess der Kostenoptimierung unterstützen. Eine intelligent vernetzte Intralogistik ist hierfür das A und O. Wie genau das softwareseitig möglich werden kann, besprach die Redaktion mit dem Geschäftsführer der PSI Logistics GmbH, Dr. Giovanni Prestifilippo, und stellte fest, dass es nicht immer eine Individual-Lösung sein muss.

Herr Prestifilippo, wie schätzen Sie Ihre Position als Softwarehaus am Markt ein und wie zufrieden sind Sie damit?

Unsere Kunden sind zufrieden mit uns und damit bin ich es auch. Wir wachsen, wir machen gute Umsätze und wir investieren in unsere Produkte. Im Bereich Logistik bieten wir verschiedene Softwaresysteme („PSIwms“, „PSItms“, „PSIglobal“ und „PSIairport“, Anm. d. Red.). Zu unseren Produkten treiben wir insbesondere die Standardisierung stark voran.

Was genau meinen Sie damit?

Damit meine ich, dass wir nicht jedes Warehouse-Management-System oder jedes Transport-Management-System individuell beim Kunden ausrollen, sondern dass wir eine Standardsoftware haben, die es dem Kunden erlaubt, die Releases, die da sind, einspielen zu können, ohne, dass dafür ein riesiger Changeprozess notwendig wird. Wir ermöglichen es dem Endkunden, mit unserem „PSI-Click-Design“ seine Benutzeroberfläche selber zu konfigurieren.

Wie genau kann man sich das vorstellen?

Der Nutzer bekommt ein solides und funktionstüchtiges Warehouse-Management-System und kann dann selber seine individuelle Benutzeransicht zusammenstellen. Menüs, Listen, Tabellen oder komplexe Dialoge können per Drag&Drop verschoben werden. Mehrere einzelne Dialoge lassen sich prozessorientiert zu einer neuen Maske verknüpfen, so dass alle gewünschten Informationen direkt in dieser einzigen Maske sichtbar sind und er sich per Click durch die Daten navigieren kann. Das ist eine Möglichkeit, die es früher noch nicht gab.

Wie sah das denn früher aus?

Früher, und ich denke auch heute noch, lebten Softwarehäuser davon, dass die im Vorhinein eingestellten Benutzeroberflächen immer wieder an neue Prozesse angepasst werden mussten. Ein Softwarehaus konnte damit dann gut Geld verdienen. Je mehr Änderungswünsche der Kunde hat, desto teurer wird es für ihn. Aber das ist nicht unser Geschäftsmodell.

Sondern?

Unser Geschäftsmodell basiert darauf, dass wir die Software mit einer Lizenz oder auch mit einer Pay-per-Use-Lizenz verkaufen, so wie der Kunde es auch erwartet. Stellt er aber dann fest, dass er seine Benutzeroberfläche oder Programmabläufe anders gestalten möchte, kann der Kunde das selber direkt in der Software und komplett im gesamten Programm ändern. Gerade Logistikdienstleister nutzen das immer häufiger und konfigurieren ihr Lager komplett selbst.

Und womit verdient die PSI Logistics dann ihr Geld, wenn nicht über diese Changeprozesse?

Die Kunden melden sich natürlich, weil sie die Lizenz für die Software brauchen, davon leben wir. Auch die Bereiche Wartung, Support, Hotline und Service machen einen Großteil unserer Arbeit aus. Sollte unser Warehouse-Management-System oder eines unserer anderen Systeme doch einmal nicht hundertprozentig funktionieren, stehen wir natürlich sofort bereit.

Wie sind sie auf die Idee mit „PSI-Click-Design“ gekommen?

Wir standen vorher immer wieder vor der Situation, dass jeder Geschäftsbereich eine eigene Lösung für dieselbe Aufgabenstellung programmiert hatte. Sinnvoller fanden wir es aber, eine einheitliche Lösung für die jeweiligen Prozesse zu entwickeln, sei es nun beim „PSIwms“, „PSItms“ oder „PSIglobal“, und diese dann jeweils auch auf die anderen Geschäftsbereiche auszurollen.

Können Sie das an einem Beispiel näher erläutern?

Ein Scanprozess zum Beispiel sieht in der Logistik vielleicht anders aus als in einem ERP-System. Das wollten wir zusammenbringen. Mit „PSI-Click-Design“ geben wir dem Kunden quasi ein Werkzeug für beide Bereiche in die Hand und stellen auch die anderen Produkte darauf um. Damit können alle Synergien innerhalb des gesamten PSI-Konzerns genutzt werden.

Für den Kunden wird es also auch deutlich leichter, verschiedene Bereiche – lagerübergreifend – miteinander zu verknüpfen?

Ja, und günstiger. Wenn ein Kunde auf ein neues Release wechselt, dann ist das Einspielen und der Go–live im Lager jetzt deutlich kostenreduzierter als vielleicht noch vor fünf Jahren. Die „Click-Design“-Technologie haben wir ja, wie gesagt, zudem auch für unsere Transport-Management-Systeme und unsere Flughafensysteme umgesetzt. Der Kunde kann also auf das gesamte Know-how und die gesamte Personenpower des PSI-Konzerns zugreifen und auch für seine anderen Geschäftsbereiche nutzen.

Das hört sich nach einem, für die Kunden sinnvollen Konzept an. Wie ist die Resonanz?

Die Kunden finden das toll. Sie bekommen von uns ein Werkzeug an die Hand, mit dem sie ihre Prozesse selber viel schneller realisieren können als zuvor. Ist die Basis, also das Warehouse-Management-System, erst einmal eingerichtet, müssen sie für weitere Anpassungen nicht mehr den Weg über uns gehen. Dass ist ein Grund warum sich auch mehr und mehr Kunden für PSI entscheiden, die Technologie. Wir bieten Synergien im Konzern, die Power von fast 2.000 Mitarbeitern. Dass also auch bereits abgekündigte alte Technologien einfach gegen neue ausgetauscht werden können, ohne dass die Systemprodukte wie „PSIwms“, „PSItms“, „PSIglobal“, „PSIairport“ umprogrammiert werden müssen.

Generieren Sie die meisten Ihrer Kontakte auf Messen – zum Beispiel auf der Logimat?

So allgemein kann man das nicht sagen. Auf der Logimat sind wir seit fünf Jahren als Aussteller vertreten. Das Schöne auf dieser Messe ist, dass wir gute Kontakte für alle unsere Geschäftsbereiche knüpfen können, nicht nur für den Bereich Intralogistik. Das hat sich dieses Jahr gerade erst wieder bestätigt. Wir gewinnen so also eine Messe für drei Produktfamilien.

Was planen sie für die nächsten Jahre?

Wir haben uns für die Zukunft die Aufgabe gestellt, unsere verschiedenen Management-Systeme noch stärker miteinander zu koppeln. Das heißt, dass der Kunde immer mehr eine einzige Logistiklösung erhält, anstatt einzelne Systeme für das Warehouse-, Transport- oder Supply-Chain-Management. Da sehen wir uns als PSI weiterhin gut aufgestellt.

Also eine noch stärkere Vernetzung der Systeme?

Ja, wenn sie so wollen, die komplette Digitalisierung in der kompletten Supply-Chain. Wir wollen quasi dahin, dass das „PSIglobal“ alle ERP-Systeme steuert, damit Produktionsprozesse und Logistik noch mehr miteinander optimiert werden. Sehr spannend. Vereinzelt wird das von unseren Kunden schon genutzt. Das wollen wir noch viel stärker ausbauen.

Wie sieht es da dann mit dem Thema Datensicherheit aus?

Die Antwort darauf ist Blockchain. Im Rahmen eines anderen Forschungsprojekts sind wir gerade dabei, auf Basis der Blockchain-Technologie Logistikdaten – in dem Fall Sendungsdaten und Transportdaten – derart zu verschlüsseln, dass sie zwischen diesen ganzen IT-Systemen sicher sind. Dass sie also nicht gehackt oder manipuliert werden können. Wir versuchen, heute schon ins Übermorgen zu schauen und dort die Nischen zu finden, die jetzt noch unbesetzt sind.

Was für Themen sehen Sie noch, wenn Sie den Blick ins Übermorgen werfen?

Wir haben im Oktober letzten Jahres ein Forschungsprojekt zum Thema „Autonomes Fahren“ begonnen. Das Projekt nennt sich „APEROL“ und steht für „Autonome, personenbezogene Organisation des Straßenverkehrs und digitaler Logistik“. Ziel des Projektes ist die Umsetzung, Erprobung und Validierung eines ganzheitlichen Ansatzes für einen optimierten vollautonomen Verkehr, der die individuellen Bürgerbedarfe berücksichtigt und Dienste für ein vollautonomes und auf die öffentliche Akzeptanz hin optimiertes Transportsystem darstellt. Die Projektpartner bestehen aus fünf Forschungseinrichtungen der RWTH und der Hochschule Trier, der Stadt Aachen, der e.GO Mobile AG, der Mat.Traffic GmbH sowie der Ergosign GmbH. Die PSI ist Konsortialführer. Das Projekt wird im Rahmen der Förderrichtlinie „Automatisiertes und vernetztes Fahren“ vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur mit einer Gesamtsumme von 4.691.277,00 Euro gefördert.

Was sind hier softwareseitig die Aufgaben von PSI Logistics?

PSI Logistics entwickelt die dafür erforderlichen Algorithmen und Simulationstechniken für die Mobilitätsdienste. Dies beinhaltet unter anderem die Erstellung einer anwenderfreundlichen Benutzeroberfläche für intelligente Mobilität sowie die Entwicklung eines Transport-Control- und eines umfassenden Buchungs- und Vergütungssystems in einem Cloud-basierten Framework. Die Steuerung der autonom fahrenden Pkw (Disposition, Routing, Abrechnung) wird auf Basis des Transport-Management-System „PSItms“ aus der „PSI Logistics Suite“ erfolgen.

 

Technische Logistik 04/2019 PDF-Download (1.92 MB)