Effizienzsteigerung durch Service 4.0

Effizienzsteigerung durch Service 4.0

Wartungskonzepte kundenspezifisch zuschneiden

Durchdachte Servicekonzepte spielen zweifellos eine Hauptrolle beim Betrieb von automatisierten Logistikzentren und sollten schon in der Planung und Realisierung berücksichtigt werden. Doch wie sehen aktuelle Servicekonzepte im Detail aus? Wie lassen sich smarte Technologien wie Virtual und Augmented Reality gewinnbringend integrieren? Und welchen Mehrwert bieten diese im Vergleich zum klassischen Hotline-Service?

1. Während der Wartung von Regalbediengeräten steht ein Großteil des Automatiklagers still. Die Termine sollten daher an den individuellen Kundenanforderungen ausgerichtet sein. (Quelle: Unitechnik)
2. Unitechnik verantwortet den Service im Logistikzentrum seiner Kunden. Zu den Leistungen gehören vorbeugende Wartungsmaßnahmen an Schaltschränken, Antrieben, Sensorik und Sicherheitstechnik. (Quelle: Unitechnik)
3. Die Mechanik – also Fördertechnik, Regalbediengeräte und Regalanlagen – begutachtet Unitechnik bei Kundenprojekten zusammen mit einem Kooperationspartner mehrmals im Jahr. (Quelle: Unitechnik)
4. Im Störfall leistet Unitechnik sofortigen telefonischen Support. Viele kleinere Probleme lassen sich bereits per Fernwartung beheben. (Quelle: Unitechnik)
5. Insgesamt elf Automatisierungsexperten in der Serviceabteilung von Unitechnik sorgen für eine maximale Verfügbarkeit der Kundenanlagen. (Quelle: Unitechnik)

Im Idealfall sind alle Serviceleistungen individuell auf die Anforderungen des Kunden zugeschnitten. „Service-4.0-Angebote“ oder „Smart Services“ ermöglichen die umfassende Vernetzung von Maschinen und das Sammeln notwendiger Daten für die Erstellung eines optimalen Wartungs- und Servicekonzeptes.

Klassische Dienstleistungen, die nur im Stör-fall oder in vorab festgelegten Wartungsintervallen greifen, sind überholt. Immer mehr Servicefälle werden beispielsweise per Fernwartung behoben. Wartungsintervalle werden kunden- und anforderungsspezifisch festgelegt und Servicebesuche außerhalb dieser Termine zunehmend obsolet. Im Idealfall gelingt so eine verschlankte, koordinierte und somit hocheffiziente Wartung auf qualitativ hohem Niveau. Grundgedanke der Service-4.0-Idee ist, dass die Fertigstellung einer automatisierten Logistikanlage, inklusive aller erforderlichen Anlagenteile und Maschinen sowie Flurförderzeugen, nicht den Abschluss der Zusammenarbeit von Kunde und Generalunternehmer darstellt. „Zurzeit beobachten wir, dass für das Thema Service eine hohe Sensibilität auf Kundenseite vorhanden ist“, berichtet Wolfgang Cieplik, Geschäftsführer der Unitechnik Systems GmbH. „Service ist für uns einer der wichtigsten Aspekte im Gesamtprojekt. Als herstellerneutraler Generalunternehmer stellen wir sicher, dass unser Serviceangebot optimal auf die vorhandenen Anlagen abgestimmt ist.“

Nutzungsbasierte Wartung

Wartungsintervalle bringen den höchsten Mehrwert, wenn sie passgenau auf die Bedürfnisse eines Kunden zugeschnitten und dynamisch anpassbar sind. Nur so sind anforderungsgerechte Reaktionen in einem höchst veränderlichen Umfeld möglich. „Bei klassischen Servicekonzepten erfolgen Wartungen häufig in festgelegten Abständen und sind daher oft ineffizient, weil sie nicht auf die individuellen Erfordernisse einzelner Komponenten einer Anlage abgestimmt sind“, erläutert Cieplik. „Nicht selten stellen Kunden begründeterweise die Frage, warum manche Maschinenteile so oft gewartet werden.“ Dabei sind Wartungsintervalle anhand nutzungsbasierter Daten effizient planbar. Die Analyse einzelner Komponenten lässt Rückschlüsse darauf zu, welche (weniger frequentierten) technischen Elemente zum nächsten Wartungsintervall keiner Überprüfung bedürfen. Gabelstapler oder Regalbediengeräte (RBG) werden beispielsweise nur dann gewartet, wenn sie eine bestimmte Anzahl von Betriebsstunden überschritten haben oder in naher Zukunft überschreiten. Insbesondere die Wartung eines RBG ist mit hohem Aufwand verbunden. Nutzungsbasierte Wartung gibt Unternehmen daher die Chance, Kosten und Zeit zu sparen: Stillstandzeiten aufgrund von unnötigen Wartungsarbeiten lassen sich spürbar reduzieren.

Umfangreiche Datenanalyse als Voraussetzung

Der erste Schritt zum Einsatz von nutzungsbasierter Wartung ist die Auswertung der Historiendaten aller technischen Komponenten. Hierfür ist der Materialflussrechner (MFR) die erste Anlaufstelle: Dort fließen sämtliche Daten der Intralogistik, sei es aus automatisierten Lagerbereichen oder von Maschinen und Flurförderzeugen, zusammen. „In unserem Lagerverwaltungssystem ‚Uniware‘ sind der Materialflussrechner und die Anlagenvisualisierung standardmäßig integriert. Unser System vereint die Daten aller Komponenten verschiedener Hersteller und macht diese zentral abrufbar“, so Cieplik. Parameter, die die Gesamtbelastung der Anlage definieren, ergeben sich beispielsweise aus der Anzahl von Auftragspositionen. Auf Basis dieser Daten wird der geeignete Zeitpunkt für eine nutzungsbasierte Wartung der gesamten Anlage ermittelt und deren Koordination geplant. Der Umfang der Wartung ergibt sich dann aus der Belastung der einzelnen Anlagenkomponenten. „Als herstellerunabhängiger Generalunternehmer werten wir die Daten aller relevanten Objekte aus, die beim Kunden zum Einsatz kommen“, erklärt Cieplik und fügt hinzu: „Wir bündeln und koordinieren anhand der Daten sämtliche Wartungsarbeiten.“

Um nicht nur Wartungsbedarf frühzeitig einzuplanen, sondern auch Stillstandzeiten durch Störfälle zu vermeiden, empfiehlt sich außerdem die lückenlose Überwachung der kritischen technischen Elemente. Auf Grundlage der Daten aus der Zustandsüberwachung (Condition Monitoring) lassen sich Prognosen über die Dringlichkeit des Austauschs einer Komponente anstellen. Beim Condition Monitoring erfassen Sensoren an bestimmten Stellen einer Komponente beispielsweise Temperatur und Schwingungen. Die Sensoren messen unter anderem Vibrationen an Motoren und Getrieben, erkennen signifikante Veränderungen der Vibration und verquicken die gewonnenen Werte mit Historiendaten zum Schwingungsverhalten der jeweiligen Komponente. So kann festgestellt werden, ob ein kritischer Wert erreicht wurde und ob ein baldiger Austausch bzw. eine Reparatur des Teils vonnöten ist. In diesem Fall wird ein Signal abgesetzt, sodass der Servicedienstleister rechtzeitig adäquate Maßnahmen einleiten kann.

IT-Service gewinnt an Bedeutung

Computergesteuerte Systeme und Maschinen sind in der Logistik in immer größerem Umfang vertreten. Auch die Serversysteme, Endgeräte und Datenbanken müssen regelmäßig gewartet, bereinigt und aktualisiert werden. Dazu gehören das Löschen temporärer Dateien und das Updaten von Sicherungskonzepten in sinnvollen und klar definierten Zyklen. Auch Predictive Maintenance kommt im IT-Bereich zum Einsatz: Die Zustände von Servern werden hinsichtlich der Kapazitäten von Festplatten überwacht. Außerdem findet ein Tracking der Hardware statt, das unter anderem durch die Messung der Temperatur gekennzeichnet ist. Besonders bei Unternehmen mit einer geringen personellen Besetzung im IT-Bereich führt dieser zusätzliche Arbeitsumfang zu Engpässen. „Als IT-Haus können wir unseren Kunden hier Sicherheit bieten und den Serviceumfang im Bereich IT vollumfänglich abdecken“, erklärt Wolfgang Cieplik. „Kunden sollten bei der Planung einer automatisierten Anlage unbedingt mitbedenken, dass sie im Servicefall meist mehrere Ansprechpartner verschiedener Hersteller kontaktieren müssen, wenn das Projekt nicht von einer Instanz koordiniert und überwacht wird.“ Gibt es Probleme mit der Steuerung und IT, hat das Auswirkungen auf die gesamte Logistikanlage. Ein im Paket integrierter IT-Service stellt daher gleichzeitig den guten Zustand wertvollen elektronischen Equipments und die Funktionalität des gesamten Systemablaufs sicher.

Maßstab: individuelle Kundenanforderungen

Ein wichtiger Faktor bei der Aufstellung des Serviceplans ist die Berücksichtigung kundenindividueller Anforderungen. Dabei bedeutet Service im Sinne von Predictive Maintenance nicht nur dort eingreifen zu können, wo es für einen Kunden brenzlig wird, sondern auch Wartungszyklen grundsätzlich kundenspezifisch zu optimieren. Diese Notwendigkeit wird bei Unternehmen und Branchen mit saisonal stark unterschiedlicher Auslastung und hohen Anforderungen an die Verfügbarkeit bestimmter Komponenten besonders deutlich. Für den E-Commerce-Sektor ergibt sich beispielsweise im Dezember bzw. im Weihnachtsgeschäft eine wesentlich größere Auslastung als in irgendeiner anderen Saison. Das bedeutet, dass für E-Commerce-Unternehmen in dieser Zeit eine besonders hohe Verfügbarkeit aller Komponenten erforderlich ist, während es zugleich zu einer sehr hohen Belastung kommt. Ausfälle in Spitzenzeiten sind unbedingt zu vermeiden. Eine Wartung sollte also für die Zeit vor einer solchen Hochlastphase eingeplant werden.

Mit „erweiterter Realität“ Kundennähe herstellen

Neue Möglichkeiten, kundenindividuelle Heraus-forderungen anzugehen, liefern Virtual Reality und Augmented Reality. Instandhaltungsmitarbeiter des Kunden greifen mithilfe einer Datenbrille beispielsweise auf kontextsensitive Daten und Anweisungen zurück. Das können zum Beispiel auch Parameter sein, die ein Fachmann von Unitechnik übermittelt, während er mit dem Kollegen vor Ort telefoniert. Die Datenbrillen verfügen meist auch über eine Kamera. Diese lässt den Servicemitarbeiter bei Unitechnik durch die Augen des Kunden sehen. So kann der Elektriker vor Ort aus dem Service-Center von Unitechnik umfassend angeleitet werden. „Für die Zukunft bieten die neuen Technologien die Möglichkeit, den Service noch effektiver zu gestalten“, erklärt Wolfgang Cieplik. „Durch die Erfassung und Auswertung der relevanten Maschinendaten können Wartungsintervalle und Serviceeinsätze individuell auf die Anforderungen des Kunden zugeschnitten werden. Hierbei ist auch im Service der Systemintegrator gefragt. Er erhebt Daten übergreifend über alle Gewerke und koordiniert die Ausführung der erforderlichen Aktivitäten mit allen beteiligten Lieferanten.“ (ck)

Technische Logistik 02/2019 PDF-Download (1.84 MB)