Effizient und sicher

Effizient und sicher

Versorgungscampus automatisiert Krankenhaus-Logistik

Krankenhaus – allein das Wort ruft bei vielen Menschen Gänsehaut hervor. Nennen wir es also lieber Gesundheitseinrichtung, denn darum geht es ja eigentlich: ums Gesundwerden – und die logistischen Prozesse dahinter.

1. Warenanlieferung (Quelle: Knapp)
2. Lagern im OSR Shuttle Evo (Quelle: Knapp)
3. Versorgen der Produktion (Quelle: Knapp)
4. Sterilisation von OP-Besteck (Quelle: Knapp)
5. Zwischenpuffern im Shuttle-System (Quelle: Knapp)
6. Sortieren und Zusammenstellen (Quelle: Knapp)
So funktioniert der Knapp-Versorgungscampus
  • Warenanlieferung: Bei der Anlieferung werden alle relevanten Daten erfasst und im Software-System „KiSoft“ gespeichert. Lebensmittel, OP-Besteck oder Tupfer – jeder Artikel ist ab sofort jederzeit auffindbar.

  • Lagern: Die Waren werden automatisch in das zentrale Lagersystem OSR-Shuttle Evo eingelagert. Jeder Artikel bekommt von der Software seine passende Temperaturzone zugewiesen.

  • Versorgen: Je nach Bedarf werden benötigte Rohstoffe und Komponenten ausgelagert und den Arbeitsbereichen zugeführt, zum Beispiel einer Großküche.

  • Zwischenpuffern: Fertig bestückte Speisetabletts oder frisch sterilisierte OP-Sets werden im OSR-Shuttle Evo gepuffert, bis sie benötigt werden.

  • Sortieren: Schnelle Puffertürme stellen eine exakte Reihenfolge her, zum Beispiel werden Speisetabletts bereits in die Reihenfolge gebracht, wie sie dann an die Patienten ausgegeben werden.

  • Zusammenstellen: Die Speisetabletts erreichen bereits in der richtigen Reihenfolge einen Arbeitsplatz und müssen nur mehr in den Stationsspeisewagen geordnet werden. So erhält jeder Patient, das richtige Menü und die Arbeit in der Gesundheitseinrichtung wird vereinfacht.

Optimale Prozesse gefragt
Hans. J. Peglow, Initiator der Pro Serv, war selbst Geschäftsführer einer Klinik und erklärt die Bedeutung und Vorteile eines Versorgungscampus:

„Die kostenoptimale und qualitätssichernde Leistungserbringung steht im Vordergrund des Klinikgeschehens. Die Zahl der Kliniken reduziert sich in Deutschland immer weiter – in den letzten vier Jahren verschwanden ‚still und leise‘ mehr als 20 Prozent der stationären Einrichtungen.

Überleben kann eine Klinik nur, wenn gesicherte Qualitätsstandards mit optimalen Kostenstrukturen einhergehen. Dies verlangt optimale Prozesse – nicht nur in der Arbeit am Patienten, sondern auch in wirklich allen Versorgungsprozessen.

Diese Versorgungsprozesse brauchen motivierte Mitarbeiter in einem hochprofessionellen intralogistischen Umfeld. Wir stehen hier erst am Beginn, denn zahlreiche Anwendungen mit verschiedensten Verzahnungen unterschiedlicher Player und Strukturen sind vorstellbar.

Der Versorgungscampus steht heute noch am Anfang, bietet aber in der Partnerschaft zwischen einem hervorragenden Logistiker, wie Knapp, und einem Kenner der klinischen Strukturen und Prozesse, wie der Pro Serv, eine herausragende Perspektive im Wettbewerb. Nur in dieser Kombination kann man erstklassige und optimale Bedingungen entwickeln.“

Viele Prozesse müssen in einer Gesundheitseinrichtung nahtlos ineinandergreifen, um die optimale Versorgung von Patienten sicherzustellen. Neben der umfassenden Erstversorgung, Beratung und Betreuung ist es auch wichtig, dass Patienten bedarfs- und zeitgerecht mit Essen versorgt sind oder das richtige OP-Besteck zur Verfügung steht.

Und genau in diesen sogenannten tertiären Dienstleistungen des Gesundheitssektors steckt großes Potential zur Prozessoptimierung. Wie das funktioniert? Eine intelligente Logistik-Lösung schafft hier das Bindeglied zwischen den Disziplinen und generiert gleichzeitig Mehrwert für Patienten.

Gesundheitssektor in Bewegung

Die aktuelle Situation rund um die Covid-19- Pandemie, aber auch zunehmende Lebenserwartung lässt die Zahl der Patienten in Gesundheitseinrichtungen ansteigen. Damit steigt auch der Bedarf an Personal sowie der Kostendruck. Höchste Hygienelevels und Vorgaben, wie die durchgängige Rückverfolgbarkeit, sichern das Wohlergehen der Patienten und zählen ebenfalls zu den zentralen Anforderungen im Gesundheitssektor. Mit diesen Entwicklungen und Anforderungen rückt die wirtschaftliche und individuelle Versorgung der Patienten auf höchstem Niveau in einen neuen Fokus und folgende Fragestellungen ergeben sich:

  • Wie gelingt es, eine steigende Anzahl an Patienten und immer mehr Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen effizient zu versorgen?

  • Wie lassen sich rechtliche Anforderungen, wie die durchgängige Rückverfolgbarkeit, umsetzen?

  • Wie können höchste Hygienelevels sichergestellt werden?

  • Wie müssen die Prozesse der tertiären Versorgung gestaltet sein, damit sie wirtschaftlich sind und gleichzeitig maximaler Mehrwert für Patienten entsteht?

Ein interdisziplinäres Team bestehend aus Logistik-Experten von Knapp und Spezialisten aus den Bereichen Gesundheitswesen und Hygiene hat sich mit diesen und anderen aktuellen Fragestellungen des Gesundheitssektors auseinandergesetzt. Das Ergebnis: der Knapp-Versorgungscampus.

Johannes Kompek, zuständig für Healthcare Solutions bei Knapp, war Teil des Projektteams und erklärt die Grundidee des Knapp-Versorgungscampus: „Im Mittelpunkt des Ansatzes steht die Neugestaltung der Prozesse zur tertiären Versorgung unter dem Motto: Professionalisierung durch Zentralisierung. Denn Medikamente, Stationsbedarf, Essen, steriles OP-Besteck und vieles mehr werden an einem Ort benötigt – nämlich in der jeweiligen Gesundheitseinrichtung. Wieso also nicht die logistischen Prozesse der Versorgungskette bündeln und die Gesundheitseinrichtungen zentral von einem Ort aus beliefern? Genau das machen wir mithilfe des Knapp-Versorgungscampus und bringen damit die tertiäre Versorgung auf ein neues Niveau.“

Einfach, flexibel und komplett rückverfolgbar

Herzstück der Lösung ist eine Kombination aus einem automatischen Lagersystem mit unterschiedlichen Temperaturzonen und schnellen Puffertürmen für die Sequenzierung. Im zentralen Lager, dem OSR-Shuttle Evo, sind alle Waren platzsparend zentral gelagert und jederzeit abrufbar.

Das OSR-Shuttle „Evo“ versorgt die unterschiedlichen Bereiche am Knapp-Versorgungscampus mit den benötigten Waren, wie zum Beispiel eine Großküche, den Sterilisationsbereich oder Arbeitsbereiche, in denen Medikationen zusammengestellt werden. Die dazugehörigen Fastbox-„Evo“-Puffertürme stellen die korrekte Reihenfolge her, zum Beispiel Speisetabletts gemäß der Reihenfolge der Patienten in den Zimmern.

Einfach, flexibel und komplett rückverfolgbar – auf diesen drei Säulen baut die Idee des Knapp-Versorgungscampus auf. Durch die zentrale Abwicklung der tertiären Versorgung werden die Prozesse schlanker und vereinfacht. Die Nutzung von gemeinsamen Ressourcen wie etwa einem Fuhrpark bietet zusätzliche Synergieeffekte.

Darüber hinaus kann die Belieferung der dezentralen Gesundheitseinrichtungen zeitgerecht, flexibel und bedarfsgerecht erfolgen: Dies ermöglicht einen Platzgewinn in den Gesundheitseinrichtungen. Gleichzeitig bleibt der Fokus immer auf dem Patienten, seiner Sicherheit und seinen individuellen Bedürfnissen, denn dank der zentralen Abwicklung sind alle Prozessschritte transparent rückverfolgbar. Auf diese Weise wird der Knapp-Versorgungscampus zum intelligenten, logistischen Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Anforderungen des Gesundheitssektors. So schafft der Knapp-Versorgungscampus Mehrwert für Patienten und Gesundheitseinrichtungen.

Effiziente Essensversorgung

Die Zubereitung und Verteilung von Speisen für Patienten nimmt im Gesundheitssektor einen besonderen Stellenwert ein – vor allem höchste Hygienelevels sind hier gefragt. Denn während man als gesunder Menschen zum Beispiel trotz mehreren Millionen Salmonellen pro Gramm in einem Lebensmittel keinen Schaden nimmt, können bei älteren, kranken oder immunschwachen Personen schon 10 bis 100 Salmonellen gefährlich sein. Deswegen sind zur sogenannten Gemeinschaftsversorgung von Risikogruppen – also zum Beispiel der Verpflegung von Patienten in einem Krankenhaus – spezielle Zubereitungsverfahren im Einsatz. Cook & Chill und Cook & Freeze nennen sich diese Verfahren. Der Knapp-Campus unterstützt optimal die effiziente und sichere Serienherstellung von Patientenmenüs. Mithilfe des Knapp-Versorgungscampus entsteht so eine vollkommen neue Prozesslandschaft rund um die Zubereitung, Zusammenstellung und Verteilung der Patientenmenüs, in der eine durchgängige Rückverfolgbarkeit und Dokumentation der Lebensmittel vom Wareneingang bis zum Patienten realisiert ist. Die durchgängige Verfolgbarkeit über alle Prozessschritte hinweg sowie die Serienproduktion stellen Qualität und Wirtschaftlichkeit auf ein neues Niveau. Darüber hinaus können nicht nur Gesundheitseinrichtung, sondern auch Altenheime, Kindergärten oder Werkskantinen mit dem Konzept des Knapp-Versorgungscampus effizient und sicher versorgen werden.

Bedarfsgerechte Versorgung für chirurgische Eingriffe

Rund 90 Prozent der operativen Eingriffe einer Klinik können von Tag zu Tag vorgeplant werden: Fachleute sprechen hier von elektiven Eingriffen. Um einen optimalen Ablauf und eine effiziente Versorgung sicherzustellen, steht für jeden Patienten ein sogenannter Fallwagen bei der Operation zur Verfügung. Dieser beinhaltet zum Beispiel sterile OP-Instrumente und Verbrauchsmaterialien wie Tupfer, Nahtmaterial oder Abdeckungen. Durch den Ansatz „Professionalisierung durch Zentralisierung“ ist das Zusammenstellen solcher individueller Fallwagen am Knapp-Versorgungscampus sicher, effizient und bedarfsgerecht möglich. Die OP-Instrumente werden im Sterilisationsbereich sachgerecht gereinigt und danach von Mitarbeitern in exakt normierter Weise zu OP-Sets zusammengestellt. Daran schließt sich der eigentliche Sterilisationsprozess sowie die Einlagerung in das OSR-Shuttle Evo an. Danach stehen die fertigen OP-Sets wieder zum Abruf bereit. Für die bedarfsgerechte Versorgung der Gesundheitseinrichtung wird jeweils der OP-Plan des Folgetages abgearbeitet und die benötigten Materialien aus dem OSR-Shuttle Evo abgezogen und die Fallwagen zusammengestellt. Dies schafft optimale Transparenz, Qualität und Rückverfolgbarkeit im gesamten Prozess: Just-in-time erreichen alle Versorgungsgüter die Gesundheitseinrichtung. An diesem Beispiel zeigt sich nach Angaben von Knapp auch der große Vorteil der zentralen Sterilisation in einem vernetzten Logistik-Umfeld: Gesundheitseinrichtungen können bedarfsgerecht und effizient mit den benötigen OP-Sets beliefert werden – daraus entsteht ein Platzgewinn, der für primäre und sekundäre Versorgung zur Verfügung steht.

Beispiel Pro Serv: Neue Maßstäbe in der Versorgung

Bei Pro Serv, einem deutschen Vollversorger im Gesundheitswesen, ist der Knapp-Versorgungscampus bereits Realität. Damit setze Pro Serv neue Maßstäbe in der Versorgung. Seit der Betriebsaufnahme im Dezember 2018 werden seine Klinikkunden mit fertig tablettierten Patientenessen beliefert: 6.000 Tabletts verlassen hier täglich – sortiert von den schnellen Fastboxen des OSR-Shuttle „Evo“ – das Haus. Darüber hinaus lassen zehn Kliniken ihre OP-Instrumente im Versorgungscampus aufbereiten. Seit über 20 Jahren versorgt Pro Serv insgesamt 28 Kliniken und 50 Langzeiteinrichtungen sowie eine Vielzahl von anderen Organisationen im Gesundheits- und Sozialwesen mit allen Verbrauchsmaterialien. Bereits seit 2012 setzt die Pro-Serv-Organisation auf Technologie von Knapp. Kundennähe und das Wissen um die Bedürfnisse der Kunden stehen bei Pro Serv im Mittelpunkt: Das innovative Dienstleistungskonzept basiert auf jahrelangem Wissen und Erfahrung im Gesundheitswesen. (jak)

Technische Logistik 06/2021 PDF-Download (1.79 MB)