Die Ablöse der Festoon-Systeme

Die Ablöse der Festoon-Systeme

Robuste und langlebige Energieführungssysteme in Hafenkranen

Hohe Geschwindigkeiten und Beschleunigungen, lange Verfahrwege und nicht zuletzt extreme Wetterbedingungen: Energieführungen, die in Hafenkranen eingesetzt werden, müssen den zahlreichen Anforderungen dieser Anwendung gewachsen, das heißt robust und langlebig sein.

1. Für Hafenkrane empfiehlt Tsubaki Kabelschlepp Hybrid-Energieführungen, die aus Kunststoff- Seitenteilen und seewasserfesten Aluminium-Querstäben bestehen (Quelle: TSUBAKI KABELSCHLEPP)
2. Roller-Supported-Chains sind eine optimale Lösung für hohe Zusatzlasten und lange Verfahrwege. (Quelle: TSUBAKI KABELSCHLEPP)
3. Seit der Inbetriebnahme im September 2015 bewährt sich das System im Hafen von Pupuk Kaltim auf der Insel Borneo. (Quelle: TSUBAKI KABELSCHLEPP)

Für Hafenkrane empfiehlt Tsubaki Kabelschlepp Hybrid-Energieführungen, die aus Kunststoff-Seitenteilen und seewasserfesten Aluminium-Querstäben bestehen.

Roller-Supported-Chains sind eine optimale Lösung für hohe Zusatzlasten und lange Verfahrwege.

Seit der Inbetriebnahme im September 2015 bewährt sich das System im Hafen von Pupuk Kaltim auf der Insel Borneo.

Sie sorgen so in zahlreichen Häfen weltweit für einen reibungslosen und sicheren Kranbetrieb und haben sich somit als sichere und moderne Alternative zu herkömmlichen Festoon-Systemen etabliert.

Energieführungen für Krane sind ein Schwerpunktgebiet von Tsubaki Kabelschlepp. „Die Experten haben in der Branche ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass Energieführungssysteme an Kranen eine gute Wahl sind – auch und gerade an Hafenkranen, die bislang eine Domäne der traditionellen Festoon-Systeme waren“, sagt Peter Sebastian Pütz, Head of Crane Business bei Tsubaki Kabelschlepp.

Immer mehr Anwender würden umdenken, und das aus verschiedenen Gründen: Zunächst lassen sich in einer Energiekette alle Arten von Medien gleichzeitig führen – Kabel, Schläuche und Lichtwellenleiter. Ein weiterer wesentlicher Vorteil liege im platzsparenden Design: Die Energieführungskette wird direkt unter dem Hauptträger mit einer Systemhöhe von weniger als einem Meter installiert. Es gibt keine herunterhängenden Kabelschlaufen, die sich in der Kranstahlkonstruktion verfangen könnten.

Apropos Schlaufen. „Für die Unterbringung der Schleppkabel wird eine zusätzliche Stahlkonstruktion in Länge von etwa zehn Prozent des Fahrwegs benötigt“, so Pütz weiter. Dies sei bei einem Energieführungssystem nicht erforderlich: Das Ende des Kranträgers ist gleichzeitig das Ende der Energieführung. „Daraus ergibt sich auch, dass bei Energieführungsketten wesentlich kürzere Kabellängen benötigt werden!

Zeit und Geld sparen mit Energieführungssystemen

Eine Energieführung wird vom Krantrolley geschoben und gezogen. Anders als bei vielen Festoon-Systemen würden somit keine zusätzlichen Antriebe benötigt. Ebenso entfallen Steuerungssysteme, um den Krantrolley mit dem Kabelmanagementsystem zu synchronisieren. Peter Sebastian Pütz: „Somit sparen Anwender nicht nur bares Geld, sondern auch wertvolle Zeit. Denn Energieführungssysteme seien wartungsfreundlicher und benötigten weder eine Nachschmierung noch einen Wechsel der Rollen oder des Bungee-Seils. „Leitungen lassen sich im Bedarfsfall ohne kompliziertes Einfädeln problemlos austauschen“, so Pütz weiter. „Das neue Kabel wird einfach mit dem alten Kabel in die Kette eingezogen. Dabei müssen keine Schraubverbindungen gelöst werden.“

Nicht zuletzt ergebe sich bei Energieführungen eine geringere mechanische Belastung der Kabel. „Auch wenn ein Kran nicht läuft, sind Festoon-Kabel immer in Bewegung“, führt Peter Sebastian Pütz weiter aus, „verursacht durch den Trolley, durch die Portalfahrt und nicht zuletzt durch den Wind.“ Die Kabel werden somit ständig mechanisch belastet. Bei Energieführungsketten entsteht diese Situation gar nicht erst. Die Kabel werden innerhalb der Energiekette verlegt, die sich leitungsschonend vor und zurück bewegt. „Übrigens: Anders als bei Festoon-Systemen ist es bei Energieführungsketten möglich, definierte Biegeradien für die Kabel zu realisieren“, sagt Pütz.

Spezielle Energieführungsketten für Hafenkrane

Für Hafenkrane empfiehlt Tsubaki Kabelschlepp nach Angaben Pütz‘ Hybrid-Energieführungen, die aus Kunststoff-Seitenteilen und seewasserfesten Aluminium-Öffnungsstegen bestehen. Letztere seien ein besserer Gleitpartner für Kabel als glasfaserverstärkte Kunststoff-Öffnungsstege. Außerdem könnten Anwender jede gewünschte Breite ohne festes Maßraster wählen.

Für Rubber-Tired-Gantry (RTG)-Krane, Rail-Mounted-Gantry (RMG)-Krane und Automated-Stacking (ASC)-Krane eigne sich zum Beispiel die Vario-Line M-Serie mit Gleitschuhen in Kombination mit Leitungen der Traxline-Serien 700 (PUR) oder 1000 (TPE). Pütz weiter: „Bei diesem System ist die Wartung denkbar einfach: Bei Bedarf tauschen Anwender die Gleitschuhe mithilfe eines handelsüblichen Schraubendrehers aus – dieser Vorgang dauert nur wenige Sekunden.“ Nach dem Austausch der Gleitschuhe sei das System in einem nahezu neuen Zustand.

„Eine gute Wahl für Ship-to-Shore (STS)-Krane“, so Peter Sebastian Pütz im Gespräch mit „Technische Logistik“, „sind Roller-Supported-Chain (RSC)-Systeme in Schwerlastausführung. Aus dem Sortiment von Tsubaki Kabelschlepp böte sich hierfür die TKHD-Serie an. „Diese extrem robusten und stabilen Energieführungsketten eignen sich besonders für die Kranindustrie mit ihren langen Verfahrwegen“, sagt Pütz. „Dank ihrer soliden Konstruktion überzeugen die TKHD-Energieführungen auch bei einem Einsatz in schmutzigen und rauen Umgebungsbedingungen mit einer hohen Lebensdauer.“

Für einen ruhigen Lauf sorgt ein integriertes Dämpfungssystem, das dauerhaft sowohl im Kettenradius als auch in der gestreckten Länge arbeitet. Die Teilung von 90 Millimetern und die polygonoptimierte Außenkontur wirkten sich auf den ruhigen Lauf der Energieführungskette aus. Bei einer Innenhöhe von 87 Millimetern lasse sich zudem die Breite der TKHD-Serie exakt dem Bauraum anpassen. „Aluminiumstege im Breitenraster von einem Millimeter machen dies möglich.“ Auch die vertikale Innenaufteilung sei dank fixierbarer Trennstege flexibel gestaltbar. Anwender profitierten darüber hinaus von einer schnellen Montage, da die Energieführungsketten sich zur Leitungsbelegung sowohl nach innen als auch nach außen schnell öffnen lassen.

RSC-System mit Verfahrweg von 300 Metern

Roller-Supported-Chains seien eine sehr gute Lösung für hohe Zusatzlasten und lange Verfahrwege. „Deshalb kamen sie auch bei einem aktuellen Projekt von Tsubaki Kabelschlepp zum Einsatz“, erzählt Peter Sebastian Pütz. Das RSC-System wurde im firmeneigenen Hafen eines Düngemittelherstellers auf der Insel Borneo installiert (siehe auch „Perfektes Timing“ auf Seite 28) – konkret auf der Längsverfahrung einer neuen Krananlage, die zur Be- und Entladung von Schiffen dient. Aufgrund der geforderten Verfahrwegslänge in Kombination mit dem dazugehörigen Leitungspaket fiel sofort eine Entscheidung für eine rollende Kettenanwendung.

Im Gegensatz zu bereits auf dem Markt existierenden kombiniert gleitenden bzw. rollenden Systemen berührt das Obertrum des Tsubaki-Kabelschlepp-RSC-Systems zu keinem Zeitpunkt das Untertrum. Dabei läuft das Obertrum der Energieführungskette mit kugelgelagerten, wartungsfreien Rollen auf einem Führungsprofil. „Weil dadurch nur geringe Zug- bzw. Schubkräfte benötigt werden“, erläutert der Experte, „verringert sich der Verschleiß innerhalb der Bolzen- bzw. Bohrungsverbindungen der Energieführungskette auf ein Minimum.“ Eine unerwünschte Auslängung im Gesamtsystem werde dadurch nahezu ausgeschlossen und die geführten Leitungen erfahren keine zusätzliche Belastung.

Außerdem lasse sich aufgrund der geringen Zug- bzw. Schubkräfte die erforderliche Antriebskraft und dadurch auch die Leistung der Antriebe deutlich reduzieren. Die Basis für alle RSC-Systeme sind, wie es heißt, bewährte Standard-Energieführungsketten von Tsubaki Kabelschlepp. in diesem Fall fiel die Wahl auf die MC1300, „eine speziell für Krananwendungen konzipierte, multivariable Energieführung, die sich unter anderem durch seewasserbeständige Aluminiumstege für eine extrem hohe Stabilität auszeichnet“, sagt Pütz.

„Wir konnten dieses Projekt unter anderem für uns entscheiden, weil die Kran-Experten die Systeme kontinuierlich auf einer eigenen Outdoor-Testanlage testen und somit beste Qualität garantieren können“, so Pütz abschließend. In der Anlage lassen sich Verfahrwege von über 100 Metern Länge und Verfahrgeschwindigkeiten von bis zu fünf Metern pro Sekunde vollautomatisch simulieren. Mehrere Testbahnen machen es möglich, gleitende Systeme simultan mit RSC-Lösungen zu testen – rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche, auch bei extremen Außenbedingungen wie strenger Winterwitterung, direkter Sonneneinstrahlung oder schweren Regenfällen. So sei sichergestellt, dass die Energieführungssysteme „auch wirklich den extremen Anforderungen unter anderem in Hafenkranen gewachsen sind“. (jak)

Technische Logistik 05/2021 PDF-Download (1.61 MB)