Alles sicher im Blick

Mit Sicherheits-Laserscannern über den gesamten Förderbereich „schauen“

Mehrspurige Transportanlagen effizienter sichern, das gelingt den Sensorexperten von Leuze mit einer neuen Sicherheitslösung, die einen deutlich geringeren Installationsaufwand erforderlich macht als die bisher üblichen Sicherheitslichtgitter mit Muting-Sensoren. Mit Matthias Bristle, Product Manager Solution Center Safety at Leuze, sprach die Redaktion „Technische Logistik“ darüber, wie man sich dieses neue Sicherheitskonzept genau vorstellen muss und welche Vorteile es für den Anwender mit sich bringt.

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Christina Kasper: Herr Bristle, wie genau muss man sich dieses neue Sicherungskonzept von Leuze vorstellen?

Matthias Bristle: Hierzu muss man wissen, dass uns das Thema „Safety Solutions“ bereits mehrere Jahre begleitet. Im Austausch mit unseren Kunden begegnen uns immer wieder Applikationen im Maschinensicherheitsbereich, die einer Optimierung bedürfen. Eine gute Idee oder ein neues Sicherheitskonzept ist ein Teil von dem, was Sicherheitslösungen von Leuze ausmachen. Denn von der Idee bis zu einer sicher funktionierenden Anlage sind noch ein paar Zwischenschritte notwendig. Neben dem Entwickeln der Lösung und dem Zusammenstellen der applikationsabhängigen Komponenten, begleiten Leuze-Spezialisten unsere Kunden vor Ort, um eine reibungslose Inbetriebnahme sicherzustellen. Eine dieser Lösungen ist die Zugangsabsicherung an mehrspurigen Transportanlagen. Diese Anlagen setzen sich aus mehreren nebeneinander platzierten Rollenbahnen zusammen. Diese werden im Bereich der Materialausförderung häufig durch einen automatisierten Querverschiebewagen beschickt, um an deren Ende Paletten im sicheren Bereich bereitzustellen. Ein Mitarbeiter nimmt die Paletten dort dann mittels Hubwagen oder Gabelstapler ab.

Und hier kommt dann die Sicherheitslösung von Leuze ins Spiel?

Ja. Denn solche Anlagen müssen gut abgesichert werden, um sicherzustellen, dass Personen nicht unbemerkt in den Gefahrenbereichen gelangen können. In unserem Beispiel also in den Bereich des Querverschiebewagens. Hierzu erfordert das Sicherheitskonzept, dass jeweils nur diejenige Bahn freigeben wird, auf der eine Palette auch tatsächlich ausgegeben wird. Dabei gilt es, die optimale Balance zwischen Personensicherheit und Produktivität zu finden. Also einen unterbrechungsfreien Betrieb der Anlage, während des Übergabeprozesses zu ermöglichen.

Wie gelingt Ihnen das?

Das gelingt uns im Falle unserer Mehrspurabsicherung durch den Einsatz unserer Sicherheits-Laserscanner. Davon sind zwei oberhalb der Rollenbahnen, die mit Material beschickt werden, installiert, die dann quasi über den ganzen Förderbereich „schauen“. Die Sicherheits-Laserscanner bilden ein gemeinsames Schutzfeld, so dass keine Person unerkannt vom Verkehrs- in den Gefahrenbereich gelangen kann. Die Scanner machen diesen Bereich also quasi „zu“. Wird dem Sicherheitssystem signalisiert, dass Material ausgefördert werden soll, wird an der entsprechenden Stelle im Schutzfeld ein „Fenster“ in der Größe des Transportguts geöffnet. Sobald die Palette passiert hat, werden die Schutzfelder der Sicherheits-Laserscanner in die Ausgangsposition zurückgesetzt und das „Fenster wieder geschlossen“.

Und das passiert in dem Moment, in dem das Material über die Fördertechnik ausgegeben wird?

Genau. Das System von uns besteht nicht nur aus zwei Sicherheits-Laserscannern, sondern dahinter sitzt auch noch eine Sicherheitssteuerung, die im Zweifel auch die Sicherheitsabschaltung ausführt. Wichtig für die Installation des Systems und die Programmierung der Schutzzonen ist für uns zu wissen, welches Paket an welcher Stelle ausgegeben werden soll, also wie groß das „Fenster“ sein muss, das wir „öffnen“ und auf welcher Rollenbahn dies geschehen soll. Zudem benötigt das System auch die Information, wann das Paket den Schutzbereich passiert, um die Öffnung des „Fensters“ synchronisieren zu können. Bei Bedarf kann auch ein Fenster für zwei nebeneinanderliegende Bahnen freigeben werden, so dass eine Doppelpalette oder zwei Paletten gleichzeitig passieren können.

Wie flexibel ist das System, wenn sich die Warenabmessungen beim Anwender selbst ändern?

Es muss dem System lediglich zugewiesen werden. Dadurch, dass wir keinen fest installierten und „starre“ Lichtvorhänge, sondern Sicherheits-Laserscanner nutzen, haben wir die Möglichkeit, die Konfiguration der Schutzfelder an die Größe der Pakete flexibel anzupassen. Das Gleiche gilt auch für die Größe des abzusichernden Bereiches. Die von den Laserscannern erzeugten Schutzfelder sind also in unterschiedliche Richtungen individuell skalierbar. So kann die Sicherheitslösung einfach auf die individuellen Gegebenheiten angepasst werden. Zur Absicherung eines Bereiches von bis zu neun Metern Breite, also circa zehn Bahnen, benötigen wir zum Bespiel lediglich die beiden angesprochenen Sicherheits-Laserscanner. Weniger Komponenten bedeuten außerdem einen reduzierten Serviceaufwand: Jährliche Inspektionen werden nur für die beiden Scanner fällig.

Sind die Scanner, die genutzt werden, immer die Gleichen?

Nein, welche Scanner letztlich zum Einsatz kommen, hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen welche Sicherheitssteuerung zum Einsatz kommt. Wenn wir mit der bekannten Klein-Steuerung MSI von Leuze arbeiten, dann können wir mit Standard-Scannern arbeiten. Standard heißt in diesem Fall, mit binärer Ein- und Ausgangsschnittstelle. Es geht aber theoretisch auch mit Sicherheits-Steuerungen und sicherer Bus-Kommunikation. Dann sprechen wir über unsere Scanner mit Profinet/Profisafe-Schnittstelle. Der zweite Faktor ist, wie erwähnt, die Breite des abzusichernden Bereichs. Wir haben Scanner mit verschiedenen Reichweiten und setzen diese dann auch passend zu den Anforderungen der Applikation ein.

Entscheidend für den Betreiber ist also, wieviel Platz seine Anlage einnimmt und wieviel unterschiedliche Paketgrößen es gibt?

Ja. Neben einer aussagekräftigen Risikobeurteilung, sind das A und O das Analgenlayout und die Varianz an Paketgrößen. Auf dieser Basis können dann die passenden Sicherheits-Laserscanner bestimmt und auch die gleichzeitige Nutzung nebeneinanderliegender Transportbahnen geklärt werden. Mit wenig Aufwand kann dann der ganze Bereich und Übergabeprozess abgesichert werden. So kann diese Lösung bei Bedarf auch bei bestehenden Anlagen, bei einem sogenannten Anlagenretrofit, problemlos nachgerüstet werden.

Was passiert, wenn es doch mal zu einer Sicherheitsabschaltung kommt?

Dann macht die Sicherheitlösung ihren Job. Das heißt, die gefahrbringende Bewegung wird stillgesetzt, um in unserem Bild zu bleiben, der Querverschiebewagen gestoppt. Dieser Zustand bleibt solange erhalten, bis eine manuelle Quittierung des Systems erfolgt. Wenn sichergestellt ist, dass sich keine Personen im Gefahrenbereich aufhalten, kann das System durch den Bediener manuell quittiert und so zurückgesetzt werden. Zu empfehlen ist, dass in jedem Fall geklärt wird, warum es denn zu dem Stillstand kam.

Ich könnte mir vorstellen, dass keiner der Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter gern die- oder derjenige war, der aus Versehen einen Stopp des Systems ausgelöst hat.

(lacht) Ja, das Problem, dass es am Ende keiner war, bleibt natürlich bestehen.

Herr Bristle, vielen Dank für das Gespräch.

 

Autor: C. Kasper

» Das Thema „Safety Solutions“ begleitet uns bereits mehrere Jahre. Im Austausch mit unseren Kunden begegnen uns immer wieder Applikationen im Maschinensicherheits-bereich, die einer Optimierung bedürfen.

Matthias Bristle, Product Center Safety at Leuze bei Leuze

 

Redaktion (allg.)

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