„Wir verstehen die Kunst ...“

„Wir verstehen die Kunst ...“

Peter van der Klooster über Qualität im Flughafengeschäft und die Geheimnisse einer Kurve

Peter van der Klooster (links) war jahrelang für Transnorm vertriebsmäßig in Asien tätig. Nun kehrt er in einer neuen Funktion nach Europa zurück. „Technische Logistik” hat ihn kurz vor seinem Abflug in Bangkok getroffen.

1. Abendliches Gespräch zwischen Peter van der Klooster (links) und "Technische Logistik"-Chefredakteur Jan Kaulfuhs-Berger in Bangkok (Quelle: privat)
2.  (Quelle: Transnorm)
3.  (Quelle: Transnorm)

» In manchen Ländern ist es so, dass man einen Kurvengurtförderer schlicht einen Transnorm nennt.

Peter van der Klooster, Global Sales Leader Airports, Transnorm Systems GmbH

Jan Kaulfuhs-Berger: Abschied aus Asien – mit einem weinenden und einem lachenden Auge?

Peter van der Klooster: Ja, ich kehre zwar nach Europa zurück, bin aber für Transnorm nun weltweit als Global Sales Leader Airport tätig.

Eine Position mit der globalen Verantwortung rund um das Thema Flughafen, nehmen wir an.

Ganz genau.

Wenn wir dies ein wenig aufsplitten, was hat man sich genau darunter vorzustellen?

Das Wichtigste ist, wie eigentlich überall, dass man über die relevanten Marktinformationen verfügt. Konkret heißt das: Wo gibt es neue Projekte? Wo werden neue Flughäfen gebaut? Wo entstehen neue Terminals, wo finden Erweiterungen statt? Wo existieren neue gesetzliche Anforderungen? Wo müssen an existierenden Flughäfen Dinge angepasst oder Maschinen oder Komponenten ausgetauscht werden?

Es geht also nicht nur um neu entstehende Projekte, sondern auch um Modernisierungen von Flughäfen während des laufenden Betriebs?

Ganz richtig. Und ein großer Treiber ist hier das Thema Energieeffizienz.

Das scheint uns ein Thema, welches insbesondere in Europa stark diskutiert wird.

Ja, aber es gibt diesbezüglich sehr interessante Projekte auch oder gerade in Asien.

Dann mal los.

Ad hoc fällt mir Hong Kong ein. Dort hat Transnorm mit dem Bau des neuen Flughafens Chek Lap Kok Ende der 1990er Jahre Kurvengurtförderer geliefert. In den vergangenen zwei Jahren wurden dort die Antriebe ausgetauscht. Nicht, weil diese defekt waren, sondern weil der Flughafenbetreiber auf eine neue Generation energieeffizienter Motoren setzt. Dass das Equipment nun ein energiefreundliches Label erhalten hat, ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass dieser Austausch der Motoren auch etwas über die Qualität der Technik von Transnorm aussagt, die dort nun bereits über zwanzig Jahre im Einsatz ist – und auch bleiben wird.

Betrachten wir Transnorm einmal global. Wo ist das Unternehmen besonders stark?

Unser Footprint ist natürlich stark in Europa, aber eben auch in Asien sowie Nord- und Südamerika. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass unsere größten Projekte auch auf den größten Flughäfen weltweit sind.

Kann man das quantifizieren?

Bezogen auf die Passagieranzahl sind wir auf allen Top-30-Flughäfen mit unseren Modulen vertreten. Insgesamt sind es mittlerweile über 300 Flughäfen, teilweise mit besonders anspruchsvollen Standortbedingungen, wie Kälte, Hitze und Wüstensand.

...und warum?

Weil auch diese mittlerweile wissen, dass eine qualitativ erstklassische Anlage dazu beisteuert, die Leistung des Flughafen hochzuhalten und die Kosten zu senken. Wenn das Gepäck nicht in den Flieger kommt und der Reisende nach der Ankunft seinen Koffer nicht erhält, dann wird das am Ende des Tages eine teure Sache für den Flughafen – vom Imageschaden einmal ganz abgesehen.

Da sind wir nun mittendrin im Thema Flughafentechnik. Welche Bedeutung hat das Airport-Geschäft für Transnorm weltweit?

Eine große. Wenn es um unsere Gurtkurven geht, dann hat das Airport-Geschäft je nach Region einen bedeutenden Anteil an Umsatz und Stückzahl. Bereits zwei Jahre nach der Gründung von Transnorm (im Jahr 1969, das Unternehmen ist in diesem Jahr gerade 50 Jahre alt geworden – Anm. d .R.) wurden die ersten Gurtkurven im Markt eingeführt und wir sind seit 1979 im Flughafenbereich tätig.

Hier müssen wir einmal einhaken: Das Stichwort „Kurve“ begleitet einen, spricht man mit Vertretern von Transnorm, gewissermaßen auf Schritt und Tritt.

Nun gut, es ist schon so, dass, wenn es um Flughafentechnik geht, man weltweit an Transnorm-Kurven kaum vorbeikommt. Das belegen im Grunde die Zahlen ...

... auf die Sie nicht näher eingehen können?

Auf die ich nicht näher eingehen kann (lacht). Nur so viel: Über 140.000 gelieferte Transnorm-Kurven sprechen für sich.

Aber?

Aber in manchen Ländern, sogar in anderen Branchen, ist es so, dass man einen Kurvengurtförderer schlicht einen Transnorm nennt – selbst wenn es sich um ein Produkt eines Wettbewerbers handelt.

So wie mancherorts Jeep als Synonym für einen Geländewagen steht.

Ja, oder Tempo für Papiertaschentücher.

Was ist denn das Besondere, die technische Herausforderung an einer Kurve?

Platt gesagt: Das können nicht viele. Es gibt eine Reihe von Unternehmen, die das selber versuchen oder versucht haben. Aber noch keiner hat sich so eine Position erworben, wie sie Transnorm hat. Kurz gesagt: Wir verstehen die Kunst, das richtig, richtig gut zu machen. Und der Kunde erkennt das an.

Was uns direkt zum Thema Qualität bringt.

Ja, eine ganz wichtige Komponente. Mit einer Gurtkurve in unserer Qualität hat der Kunde keine Kopfschmerzen. Punkt. Wenn ein Teil von einer Linie ausfällt, dabei ist es völlig egal, ob es sich um einen Flughafen oder einen anderen Einsatz handelt, dann steht die Anlage still. Dann müssen Komponenten gewechselt werden – ein Gurt oder ein Antrieb oder was auch immer.

Und kostet Zeit.

Richtig. Bezogen auf den Flughafen heißt das, dass das Gepäck manuell befördert werden muss. Mit dem Ergebnis, dass die Leute länger auf Ihre Koffer warten müssen, Flugzeuge können nicht in-time beladen werden oder im worst-case ohne das Reisegepäck starten.

Themenwechsel: Transnorm verkauft ja nicht direkt an den Endkunden, sondern an Systemintegratoren. Eine gute Beziehung zu diesen ist unabdingbar. Wie wichtig ist aber eine Beziehung zum Endkunden?

Die ist nicht zu unterschätzen und das wird auch ein Teil meiner jetzigen Aufgabe sein, diese Beziehung weiter zu verbessern. Nicht mit dem Ziel, direkt an den Endkunden zu verkaufen, sondern um deren Bedarf noch besser zu verstehen.

Was sicherlich auch dazu führt, dass der Endkunde gegenüber den Systemintegratoren durchblicken lässt, er möchte lieber Module von Transnorm.

Ja, oder ein spezifisches Equipment, das nur Transnorm so liefern kann.

Kommen wir zum Schluss zum Verein Verband der Deutschen Airport-Ausrüster. Welche Rolle spielt die Organisation für Unternehmen wie Transnorm?

Hierbei handelt es sich um eine Organisation, die die deutschen Flughäfen und Flughafenausrüster weltweit vertritt. Die Mitglieder von ‚GATE’ ...

... German Airport Technology & Equipment ...

... haben alle ein bestimmtes Interesse im Flughafengeschäft. Die Organisation vertritt dann natürlich die deutschen Interessen weltweit. Beispielsweise mit einem Gemeinschaftsstand auf Messen wie der Interairport jetzt in München.

Herr van der Klooster, 
vielen Dank für das Gespräch!

Technische Logistik 10/2019 PDF-Download (1.53 MB) Autor: J. Kaulfuhs-Berger