„Mit dem Kunden eine Lösung finden“

„Mit dem Kunden eine Lösung finden“

Ein Gespräch über Kabelkonzepte und die Herausforderungen im Hafenbereich

Neben Standardartikeln vermehrt auf Spezial- und Sonderlösungen zu setzen, ist die zukünftige Devise von TKD Kabel. Was das genau heißt, erfuhr die Redaktion bei einem Besuch des Kabelspezialisten am Standort Iserlohn von Vertriebsleiter Thomas Sypli und Nico Emde, zuständig für den Bereich Anwendungstechnik & technischer Vertrieb.

1.  (Quelle: TKD)
2.  (Quelle: TKD)
3.  (Quelle: HF)

Christina Kasper: Herr Sypli, unser letztes Interview fand im Jahr 2011 statt und liegt damit schon eine ganze Weile zurück. Was hat sich bei TKD Kabel seitdem getan?

Thomas Sypli: Unsere Ausrichtung am Markt hat sich seit 2011 drastisch verändert. Wir setzen verstärkt auf unsere Kernkompetenzen und rücken die Technik in den Fokus.

Das heißt?

Thomas Sypli: Das heißt, wir setzen vor allem auf unser Entwicklungs- und Fertigungs-Know-how. Hier am Standort Iserlohn betrifft das speziell den Bereich Kran- und Fördertechnik. Wir haben für jeden Bereich einen Techniker. Egal, ob es sich dabei um Aufzugs-, Kran-, Schleppketten- oder Standardleitungen handelt, und können innerhalb der TKH-Gruppe insgesamt auf die Expertise von 1.400 Kabelspezialisten zurückgreifen.

Nico Emde:Der Fokus liegt für uns verstärkt auf der Konzeption von Spezial- und Sonderlösungen, unter anderem für den Outdoor- und Hafenbereich. Es geht uns darum, mit dem Kunden vor Ort eine Lösung zu finden. Einfach nur eine Leitung auszutauschen, ist oft nicht genug. Es geht vielmehr darum, das System und die Anforderungen des Anwenders zu verstehen. Nach dem Motto: ‚Wir haben ein Problem vor Ort, schaut Euch das mal an‘. Wir merken, dass unsere Kunden diesen Support annehmen.

Die Entwicklung der Kabellösung geschieht also immer in Zusammenarbeit mit dem Kunden beziehungsweise dem Systemanbieter?

Nico Emde: Genau. Es gibt immer wieder Spezialfälle, mit denen die Kunden auf uns zukommen. Oft geht es darum, dass in einem Kabel nicht nur ein, sondern verschiedene Leitungssysteme enthalten sein können – von Steuer- über Energie- bis hin zu Datenleitungen. Gefordert sind lupenreine Hybridkabel – ‚all in one’ sozusagen. Wir schauen uns also an, um was für ein System es sich bei den Anwendern handelt, und prüfen dann mit ihnen gemeinsam die verschiedenen möglichen Optionen bezogen auf die Anwendung. Im Fokus steht dabei, die optimale Lösung hinsichtlich Funktion und Wirtschaftlichkeit der Leitung für den Kunden zu schaffen.

Wie setzt sich Ihr Produktprogramm von Leitungen und Zubehör zusammen?

Thomas Sypli:Wir halten für unseren Kunden eine breite Produktpalette von mehreren tausend Artikeln für die verschiedensten Anwendungen in nahezu allen Branchen vor. Für den Bereich Krantechnik bieten wir spezielle Lösungen für Trommel-, Leitungswagen- und Schleppkettensysteme an. Des Weiteren können auch alle für die Festverlegung benötigten Leitungen am Kransystem durch das gut abgerundete Standardlagerprogramm abgedeckt werden.

Zum Beispiel?

Thomas Sypli:Ein Beispiel ist unsere neue Produktserie ‚Kaweflex Allround‘. Ihr Einsatzspektrum reicht von Kran- und Hafenanlagen, bei denen die Leitungen Wind und Wetter ausgesetzt sind, bis hin zu Schleppkettenanwendungen in Maschinen und Anlagen in Werkshallen. Darüber hinaus haben wir trommelbare Leitungen für jeglichen Einsatzbereich als Gummi- oder als PUR-Lösung im Portfolio. Wobei der Trend eindeutig zu Polyurethan-Leitungen geht, da sich hier Außendurchmesser und Gewicht besser reduzieren lassen.

Wichtige Punkte, wenn es um den Einsatz bewegter Leitungen etwa in Krananlagen geht.

Thomas Sypli: Ja, das ist ein durchgängig wichtiges Thema, weil die Systeme, die dahinter stehen, auf die jeweiligen Leitungen abgestimmt sind. Das heißt, umso dicker und schwerer die Leitung, desto größer muss der Motor an der Trommel oder in dem Leitungswagen sein. Wenn wir also Gewicht und Außendurchmesser der Leitungen reduzieren, hat unser Systemanbieter den Vorteil, dass er sein System verkleinern und damit flexibler am Markt agieren kann. Auch längere Verfahrwege sind so möglich.

Nico Emde: Hinzu kommt, dass die Systeme immer ‚intelligenter‘ werden. Wo früher nur Energie übertragen werden musste, müssen heute zusätzliche Daten übermittelt oder Internetanbindungen realisiert werden. Die Systeme sind mit im Netzwerk angebunden. So kann beispielsweise der Maschinenführer im Leitstand oder im Büro via Bildschirm den aktuellen Status der Anlage verfolgen. Hintergrund ist der Wunsch des Kunden, mit einer Leitung sowohl den Energie- als auch den Datentransfer sicherstellen zu können.

Was sind denn die technischen Herausforderungen im Hafenbereich?

Thomas Sypli: Was wir vor allem feststellen, ist, dass die Geschwindigkeiten steigen, gerade in der Hafentechnik. Ein Containerschiff muss schnellstmöglich be- und entladen werden, damit keine zusätzlichen Kosten anfallen. Das heißt, die Verfahrgeschwindigkeiten an den Krananlagen werden immer höher und damit auch die Anforderungen an die Kabel und Leitungen. Wir reden hier von Geschwindigkeiten bei Trommelleitungen von mehr als 300 Metern in der Minute und beim Leitungswagenbetrieb von mehr als 240 Metern in der Minute.

Nico Emde:Darüber hinaus wird für den Betrieb der Krananlagen in Häfen immer mehr auf Elektrifizierung gesetzt – Stichwort „grüner Hafen“. Viele der gummibereiften Portalkrane laufen noch mit Dieselmotoren, um in verschiedene Gassen zu kommen. Ein mobiler gummibereifter Portalkran, ein sogenannter RTG (rubber tyred gantry cranes, Anm. d. Red.), erfordert zunehmend eine spezielle Verkabelung. Diese könnte dann zum Beispiel über Hybridleitungen erfolgen, in die dann auch Lichtwellenleiter integriert sind, um einen Datentransfer von und zu den Kranen zu ermöglichen.

Kann man sagen, dass Sie eigentlich Kabelkonzepte statt „nur“ Kabel entwickeln?

Thomas Sypli: Ja teilweise schon. Wir haben heute, wie gesagt, deutlich höhere Anforderungen an die Kabel, was Beweglichkeit und Schnelligkeit angeht, und müssen daher viel mehr Faktoren in die Kabelkonzeption miteinbeziehen. Das fängt beim Einsatzort an und geht bis zu den Umgebungstemperaturen und Belastungsanforderungen.

Was ist denn für Sie das spannendste Kabel?

Nico Emde:Für mich ist tatsächlich das Spannendste, eine mit dem Kunden besprochene und erarbeitete Kabellösung live am Einsatzort laufen zu sehen. Und da vor allem die großen Zuleitungen am Kran, in denen oft filigrane Elemente, wie dünne Lichtwellenleiter, mitgeführt werden. Zu sehen, was damit teilweise für Geschwindigkeiten am Kran gefahren werden können. Diese Leitungen haben zum Teil einen Durchmesser von 80 Millimetern – sind also echte Kaliber.

Was plant TKD Kabel für die nächsten fünf bis zehn Jahre?

Thomas Sypli: Wir wollen noch spezialisierter werden und somit immer weiter von Standard- hin zu Speziallösungen gehen, die individuell auf die Anforderungen des Anwenders zugeschnitten sind. Der Wettbewerb im Standardleitungsbereich ist groß, wir aber haben die Kompetenz und die Techniker für den individuellen Einsatzfall. Die Basis ist da, um uns mit dem Markt darauf einstellen zu können.

Herr Sypli, Herr Emde, vielen Dank für das Gespräch!

Technische Logistik 06/2018 PDF-Download (1.51 MB)