„Möge der Bessere gewinnen“

„Möge der Bessere gewinnen“

Dr. Alexander Bünz über Industrie 4.0 und das Thema „smart“ bei Transportsystemen

„Für die Arbeitnehmer ist das Beste gerade gut genug“, dieser Philosophie hat sich die Expresso Deutschland GmbH verschrieben und entwickelt ergonomische Handhabungsgeräte und Transportsysteme, um die Anwender bestmöglich zu entlasten und so eine gleichmäßige Arbeitsleistung zu gewährleisten. Die Redaktion von Technische Logistik fragte bei Geschäftsführer Dr. Alexander Bünz nach und erfuhr mehr über die zukünftigen Pläne und Herausforderungen des Unternehmens. Gesprochen wurde auch über einen neuen Gerätetypus.

1.  (Quelle: Expresso)
2.  (Quelle: Expresso)

» Eine der größten Herausforderungen für uns besteht darin, unser Wissen und unser Know-how aus den Jahrzehnten aufzubereiten und Gemeinsamkeiten herauszukristallisieren, damit wir dann vielfältig kombinierbare Module entwickeln.

Dr. Alexander Bünz, Geschäftsführer, Expresso Deutschland GmbH

» Wir pflegen einfach einen offeneren Umgang mit unseren Kollegen und versuchen, sehr seriös und sehr ehrlich im Kundensinne zu agieren. Das wird uns positiv angerechnet.

Dr. Alexander Bünz, Geschäftsführer, Expresso Deutschland GmbH

Christina Kasper: Wie unterscheidet sich Expresso Ihrer Meinung nach zu seinen Wettbewerbern und warum?

Dr. Alexander Bünz: Wir unterscheiden uns schon allein dadurch, dass wir es nicht Wettbewerb nennen. Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, es gäbe ein Hauen und Stechen zwischen den Marktteilnehmern, sondern wir halten es eher nach der Devise „möge der Bessere gewinnen“. Zudem finden wir, dass es immer besser ist, miteinander zu sprechen. Nur so lässt sich doch das Beste für den Kunden erreichen. Warum sollten das nicht auch zwei Marktteilnehmer zusammen können? Diese Denkweise fällt aber vielen noch schwer.

Sie meinen, es fällt den anderen Marktteilnehmern schwer, zu glauben, dass Sie das tatsächlich ernst meinen?

Ja, genau. Aber einigen gelingt es schon und am Ende können in meinen Augen eben alle nur gewinnen, wenn sie mehr miteinander sprechen.

Und, funktioniert es?

Ja, es funktioniert. Wir hatten auch schon Fälle, in denen sich solch eine Kooperation erst mit der Zeit entwickelt hat, aber es geht. Wir pflegen einfach einen offeneren Umgang mit unseren Kollegen und versuchen, sehr seriös und sehr ehrlich im Kundensinne zu agieren. Das wird uns positiv angerechnet. Zudem unterscheidet uns unser recht breites Sortiment. Seien es Lifte, Greifer-Systeme oder auch angetriebene Transportsysteme. Dazu kommt Sicherheitstechnik für die Nahtstelle zwischen Lkw und Rampe. In Kombination mit unserer hauseigenen Entwicklungsabteilung ist das in meinen Augen schon einzigartig.

Wo setzten Sie die Schwerpunkte in Forschung und Entwicklung?

Wir rüsten aktuell unsere Produkte smart auf, das heißt, wir elektrifizieren die Geräte und statten sie mit Sensoren aus – einschließlich einer cloudbasierten Lösung. Ziel ist es, durch die empfangenen Daten mehr zu verstehen, was unsere Systeme beim Kunden leisten und was wir an weiteren Dienstleistungen anbieten können, um das Produkt noch effizienter und noch attraktiver zu machen.

Wie zum Beispiel?

Ein ganz klassisches Beispiel ist sicherlich die vorrauschauende Wartung. Wenn es uns gelingt, unsere Systeme so aufzurüsten, dass rechtzeitig ersichtlich wird, wann ein Austausch oder eine Wartung erforderlich werden kann, würde das Ausfallzeiten und Stillstände reduzieren und auch unsere Wartungstätigkeiten planbarer machen. Das ist ein großes Thema.

Welche Daten sind das dann, die erhoben werden?

Vor allem Zustandsdaten. Das fängt an mit der Frage: „Wo steht eigentlich das Gerät?“ – also das Thema Fuhrparkmanagement – bis hin zu Daten darüber, wie stark die vorhandenen Geräte eigentlich ausgelastet sind. Man kann, wenn man will, natürlich auch prüfen, wie die Systeme genutzt werden. Also, ob die Prozesse wirklich effizient laufen. Ob vielleicht zu viele oder auch zu wenige Geräte im Einsatz sind. Da sind wir zwar noch am Anfang, aber das Thema beschäftigt uns schon seit etwa zwei Jahren.

Und an welchen Themen arbeiten Sie noch?

Weitere Trends sind die Themen Autonomie – also Fahrerlose Transportfahrzeuge – in der Intralogistik und die Ergonomie. Wir haben seit etwa einem Jahr das Siegel „Gesunder Rücken“, denn Produktivität ist für uns genauso wichtig wie Gesundheit. Im Kern all unserer Tätigkeiten steht schließlich der Mensch.

Steht das Thema Fahrerlose Transportfahrzeuge dazu nicht im Widerspruch?

So scheint es zunächst, aber es geht uns ja nicht darum, simple oder eintönige Arbeiten ergonomisch zu unterstützen, sondern es geht uns darum, heute als „einfach“ deklarierte Aufgaben von FTS ausführen zu lassen, um es dort, wo es notwendig ist, für den Menschen so leicht wie möglich zu machen. Egal, ob das mit einer Sackkarre oder einem Lift ist oder es sich um die Sicherheit an der Verladerampe handelt.

Und wie realisieren Sie das?

Indem wir den ganzen Prozess betrachten. Von der Anlieferung der Ware an der Rampe über die Verteilung der Waren im Lager und vielleicht sogar bis hin zur körperlichen Fitness der Mitarbeiter bzw. der Rekonvaleszenz. Das Thema Ergonomie bewegt uns sehr, und das möchte ich auch für unsere Kunden sichtbar machen.

Wird das eines der Themen sein, über die wir uns dann auf der Logimat in Stuttgart informieren können?

Ja, aber wir werden auch weiter am Thema Industrie 4.0, der sensorischen Erfassung und wie wir die Daten dann in die Cloud bringen, dran sein. Zudem werden wir im Bereich Antriebstechnik eine Weiterentwicklung zeigen.

Gibt es auch Weiterentwicklungen aus dem Bereich Sackkarren und/oder Lifte?

Ja, unsere neuen motorisch betriebenen Sackkarren sind neu am Markt und mittlerweile zum Beispiel bei einigen Imkern schon im Einsatz. Natürlich sind diese Geräte auch für die Intralogistik geeignet, etwa für andere sensible Waren. Das ist ein ganz neuer Typus an Gerät, wenn Sie so wollen, der da entstanden ist.

Was macht diesen neuen Gerätetypus aus?

Es ist keine Sackkarre im klassischen Sinne, aber auch kein Lift, der auf vier Beinen rollt. Es handelt sich dabei eher um ein Gerät mit Liftfunktionen auf zwei Rollen. Das Gerät ist, wie schon gesagt, motorisch mit Vorwärts- und Rückwärtsgang, kipp- und höhenverstellbar mit einem Neigungsausgleich für unebenes Gelände.

Sind Sie mit Ihren Produkten auch international präsent?

Wir sind zunächst nur in Deutschland, Frankreich und mit einem Vertriebsbüro in Österreich unterwegs. Zukünftig wollen wir auch noch in den USA und China Niederlassungen eröffnen.

Gibt es die Möglichkeit, dass Kunden hierher kommen, um sich Ihre Lösungen anzusehen oder auch auszuprobieren?

Im Moment noch nicht. Aber wir planen, hier ein Kundenzentrum zu errichten. Die Basis dafür ist da. Aktuell machen wir das bei uns in der Fertigung. Ab und zu kommen Kunden im Vorfeld oder spätestens zur Abnahme eines Produktes und wollen genau verstehen, wie es funktioniert, bevor sie es bei sich in der Produktion haben. Und zukünftig könnte man solche Prozesse natürlich auch simulieren.

Was haben Sie sonst noch für die nächsten Jahre geplant?

Mehr Autonomie in unseren Geräten. Das wir da wirklich Flagge zeigen und solche Systeme, die heute noch manuell bedient werden, autark durch die Hallen fahren lassen können. Außerdem vernetzte Systeme, mit uns, aber auch unter einander.

Also Schwarmintelligenz?

Ja, das wird kommen und natürlich auch die Robotik, von der es ja bereits viele Anwendungen gibt. Die ganz große Idee wäre natürlich, das mit unseren Produkten zu kombinieren. Etwa die Kombination aus einem autonomen Fahrzeug und einem Roboter, der etwas greift und damit dann autonom an seinen Bestimmungsort fährt und es dort übergibt. Die Kompetenz dafür haben wir und nutzen sie ja auch bereits zumindest im Schwerlastbereich. Eine der größten Herausforderungen für uns besteht darin, unser Wissen und unser Know-how aus den Jahrzehnten aufzubereiten und Gemeinsamkeiten herauszukristallisieren, damit wir dann vielfältig kombinierbare Module entwickeln.

Also das Beste aus allem herausfiltern?

Genau daran arbeiten wir jetzt die nächsten Jahre. Der Kunde profitiert dann durch die Schnelligkeit in der Lösungserstellung und durch einen fairen Preis. Individualität gekoppelt also mit Effizienz, denn auch die Geschwindigkeit der Produktentwicklung wird zunehmen. Dem müssen wir uns auch stellen.

Herr Dr. Bünz, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Technische Logistik 03/2020 PDF-Download (1.77 MB) Autor: C. Kasper