„Komplexität beherrschbar machen“

„Komplexität beherrschbar machen“

Ein Gespräch über das Erlebbar machen von Trends

Seit 30 Jahren realisiert die S&P Computersysteme GmbH individualisierte Software- und Systemlösungen für anspruchsvolle Logistikaufgaben. Im Fokus steht für die Softwarespezialisten, die immer anspruchsvoller werdenden Aufgabenstellungen für den Kunden so simpel wie möglich umzusetzen. Wie genau und warum es wichtig sein kann, manche Dinge auch wegzulassen, erzählten uns die Geschäftsführer Rémy El Abd und Horst Reichert.

Rémy El Abd, Geschäftsführer, S&P Computersysteme GmbH
Horst Reichert, Geschäftsführer, S&P Computersysteme GmbH

»Umso besser der Kunde Bescheid weiß – in seiner und auch in unserer Welt – desto bessere und schnellere Lösungen können wir gemeinsam voranbringen.«

Horst Reichert, Geschäftsführer, S&P Computersysteme GmbH

»Unser Job ist es, die gesamten Trends zu beobachten und, wo sinnvoll,auch zu unterstützen. Von uns wird erwartet, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.«

Rémy El Abd, Geschäftsführer, S&P Computersysteme GmbH

 

»Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, den Kunden die Möglichkeit zu bieten, einfach und ohne Barrieren mit unseren Systemen zu wachsen.«

Rémy El Abd,Geschäftsführer, S&P Computersysteme GmbH (links im Bild)

» Eines was uns definitiv unterscheidet ist, dass wir es geschafft haben, manche Dinge auch einfach wegzulassen. Und lieber das Wichtige richtig zu machen.«

Horst Reichert, Geschäftsführer, S&P Computersysteme GmbH

Christina Kasper: Herr El Abd, Softwaresysteme sind ein sehr wichtiger Aspekt in der Intralogistik, die Anforderungen sind vielfältig und werden immer komplexer. Wie bewältigen Sie das als S&P Computersysteme und was unterscheidet Sie dabei von Ihren Wettbewerbern?

Rémy El Abd: Was uns sehr wichtig ist, und das ist bei nicht allen Marktbegleitern von uns der Fall, ist unsere jahrzehntelange Partnerschaft mit unseren Kunden. Mit einem Projekt stellen wir ja zusammen auch die Weichen für die lange gemeinsame Zukunft. Das ist uns bewusst.

Und für die Wettbewerber gilt das nicht?

Rémy El Abd: Der Wettbewerb sieht sich sicher mit ähnlichen Kundenanforderungen konfrontiert. Den Kunden geht es schließlich um das Generieren von Wachstum und Effizienz, aber wir wissen eben, wie wir unsere Kunden schnell und proaktiv bei Optimierungen und Erweiterungen begleiten können. Zudem haben wir es uns zum Ziel gesetzt, den Kunden die Möglichkeit zu bieten, einfach und ohne Barrieren mit unseren Systemen zu wachsen.

Was heißt das genau?

Horst Reichert: Das heißt, der Kunde muss nicht für jedes einzelne kleine Modul zusätzliche Lizenzen bezahlen. Wir haben keine Preisliste, die sich über zig Seiten zieht. Wir versuchen, Hemmnisse für den Kunden zu entfernen, wenn es um die bestmögliche Nutzung unserer Systeme geht. Es kommen auf die Kunden also nach drei Jahren nicht plötzlich horrende Kosten zu, wenn sie beispielsweise einen neuen Standort etablieren wollen.

Rémy El Abd:: Wir sehen im Moment einen starken Trend zur Automatisierung und zur Flexibilisierung. Das muss aber nicht heißen, dass alles automatisiert werden muss. Für uns gilt es vielmehr, Prozesse zu optimieren, die Mitarbeiter mit einzubeziehen und eben auch Automationskomponenten mit einzuplanen. Dadurch, dass wir keine Lagertechnik verkaufen müssen, sehen wir uns als neutralen Berater.

Horst Reichert: Und überall dort, wo eben diese gesamten Automationskomponenten orchestriert und gemeinsam mit manuellen Prozessen in Einklang gebracht und Materialflüsse synchronisiert werden müssen, da sind wir besonders stark. Das heißt, wir versuchen diese Komplexität mit einem System beherrschbar und gut steuerbar zu machen. Das sind die spannenden Projekte, da heben wir uns auch ganz klar ab.

Also sind sie ein Trendsetter in Ihrer Branche?

Horst Reichert: Da stellt sich erstmal die Frage, was ist denn ein Trend? Historisch gesehen würde ich sagen, ja. Aktuell würde ich sagen, ist es ein bisschen zwiespältig, da im Moment viele Buzzwords in der Branche umherschwirren. Eines, was uns definitiv unterscheidet ist, dass wir es geschafft haben, manche Dinge auch einfach wegzulassen. Und lieber das Wichtige richtig zu machen.

Zum Beispiel?

Horst Reichert: Zum Beispiel das Thema Automatisierungstechnik. Wir haben angefangen zu einer Zeit, als Automatisierung schon noch etwas Besonderes und teuer war. Denn schon in den 90er Jahren haben wir digitale Fabriken mit Fahrerlosen Transportsystemen und automatischen Hochregallagern gebaut. Es war nur viel, viel teurer als es das heute ist. Jetzt haben wir deutlich bezahlbarere Technik und leistungsfähigere Rechner und eine schier unfassbare Auswahl innovativer Automatisierungskomponenten. Unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit kommen uns hier heute zugute.

Rémy El Abd:: Die Logistik gehört ja zu den wichtigsten Wirtschaftsbereichen in Deutschland. Es gibt zig Trends. Da passiert einfach unglaublich viel. Und unser Job als Warehouse-Management-Anbieter ist es, diese gesamten Trends zu beobachten und, wo sinnvoll, auch zu unterstützen. Von uns wird erwartet, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. Zu schauen, was entwickelt sich beispielsweise im Bereich der „Wearables“ oder der „Smart Glasses“, der Nutzung der natürlichen Stimme etwa und natürlich auch wieder der Automation und der Robotik.

Sie prüfen also Trends erst einmal auf ihre Sinnhaftigkeit?

Rémy El Abd:: Ja, indem wir diese Themen aufgreifen und in einigen Fällen auch mit unseren Kunden zusammen Prototypen entwickeln. Das ist unsere tägliche Aufgabe.

Horst Reichert: Wichtig ist uns, diese Innovationen möglich und erlebbar zu machen – Automatisierung, Mensch-Maschine-Kollaboration usw. Dass unsere Kunden durch Einsatz unserer Software diese Trends auch für sich ausprobieren können.

Worin liegen hierbei für Sie die technischen Herausforderungen?

Rémy El Abd:: Die verschiedenen Anwendungen müssen miteinander sprechen können. Dieses einfache Vernetzen der Systeme stellt relativ hohe Anforderungen an eine WMS-Plattform für komplexe Logistiksysteme. Der Grund: Wir müssen uns nach außen öffnen, die Kommunizierbarkeit herstellen zu allen möglichen Technologiekomponenten und Tools aus B2C, B2B und SCM. Der Datenschatz, den wir ja tagtäglich im WMS produzieren, muss für unsere Kunden für intelligente Entscheidungen automatisiert nutzbar sein. Sowohl innerhalb als auch außerhalb des WMS und stellt auch die Basis für unsere KI-Komponenten.

Das WMS also als Tool?

Rémy El Abd:: Ja, als ein Tool eingebettet in die gesamten Supply-Chain. Es ist natürlich ein entsprechend großes, mit dem man sehr viel machen kann, gar keine Frage. Quasi das Schweizer Taschenmesser der Intralogistik.

Horst Reichert: Der Bedarf ist ja auch vorhanden. Es gibt eine stetig wachsende Zahl an Anbietern sowie unzählige Startups in der Intralogistik. Wer hätte denn vor Jahren an Drohnen für die Inventur gedacht, oder an Kommissionierwagen, die den Mitarbeitern folgen und im Anschluss autonom zum Ziel fahren. Es gibt eben zum Thema Schnittstellen keine Normierung, die herstellerübergreifend gültig ist. Daher ist es sinnvoll, hier inhaltliche Standards zu setzen.

Und wo sind Sie?

Horst Reichert: Weit. Was wir jetzt unter anderem realisiert haben sind Packages, die es uns ermöglichen, branchenspezifisch in unserer WMS-Plattform noch schneller eine Systemimplementierung vornehmen zu können. Ein anderes Thema ist, den Logistikmanagern ganz neue Möglichkeiten zur Visualisierung und Nutzung von Daten zu bieten. Das heißt, mit dem WMS datengetriebene Entscheidungen zu ermöglichen, also Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen und Handlungsempfehlungen zu entwickeln.

Wie muss man sich dieses Sichtbarmachen der Daten vorstellen?

Rémy El Abd:: Also zum einen ist es so, dass der analysierende Mensch nicht nur auf den Datensatz schauen muss, den er jetzt gerade hat, sondern wir wollen aufzeigen, welche Entwicklungen es gegeben hat. Beispielsweise eine Anzahl von Picks und eine Fehlerquote in Einklang zu bringen, dort einen Trend zu erkennen und daraus automatisiert Strategieänderungen vorschlagen zu können.

Wenn es um Vernetzung und Schnittstellen geht, ist dann nicht automatisch auch die Datensicherheit ein Thema?

Horst Reichert: Ja, es ist ein Thema, aber wir sind im Moment glücklicherweise nicht in der Situation, dass es ein Problem zu sein scheint. Wir leben zwar in einer vernetzten Welt, aber die Mehrzahl der Systeme sind im Moment noch lokal bei den Kunden installiert. Ob das auf lange Sicht so bleiben wird, sei dahingestellt. Aber auch da gibt es wiederum dezidierte Anbieter, die sich genau darauf spezialisiert haben, Netze und Schnittstellenprotokolle sicher zu machen. Diese nutzen wir. Unser Schwerpunkt ist die Kompetenz in der Logistik.

Das ist also auch nichts, mit dem Ihre Kunden auf Sie zukommen?

Rémy El Abd:: Unsere Kunden tatsächlich immer weniger, aber uns ist natürlich auch klar, dass das beim Thema Nutzung von Cloud-Services immer mitschwingt – die Notwendigkeit der Verschlüsselung der Übertragungswege. Dem stellen wir uns ganz klar und nutzen marktgängige Verfahren der Platzhirsche, um das sicherzustellen. Wir wollen ja auch in den kommenden Jahren weiter mit den steigenden Erwartungen unserer Kunden mithalten können.

Wie genau?

Rémy El Abd: Wir rücken immer weiter mit unseren Kunden zusammen. Dafür haben wir mit unserer Warehouse-Management-Plattform ein breites und gut nutzbares Tool entwickelt, das unsere Kunden immer mehr dazu ermächtigt, ihre Prozesse selbst zu optimieren.

Werden sie damit dann nicht auch unabhängiger von S&P?

Horst Reichert: Wir bringen sie so auf Augenhöhe. Unsere Kunden haben ein sehr gutes Verständnis von ihren Anforderungen. Aber bei hunderten Datenbanktabellen und unzähligen Konfigurationsmöglichkeiten im WMS muss man schon auch wissen, was für welchen Prozess relevant ist. Viele unserer dynamischen Kunden bauen dieses Wissen gerne auf, um das volle Potenzial und die Flexibilität eines so mächtigen WMS aktiv selbst zu nutzen. Andere Kunden lassen sich lieber bei Optimierungsprojekten von uns an die Hand nehmen. Umso besser der Kunde Bescheid weiß – in seiner und auch in unserer Welt – desto bessere und schnellere Lösungen können wir gemeinsam voranbringen. Wir sind stolz darauf zu sehen, was unsere Kunden mit unseren Lösungen erreichen können.

Herr El Abd, Herr Reichert vielen Dank für das Gespräch.

 

 

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