„Hunger nach sozialen Kontakten“

„Hunger nach sozialen Kontakten“

Peter Kazander über Präsenzmessen und digitale Plattformen

Man merkt es dem „Macher“ der Logimat richtig an. Er freut sich riesig, wieder persönlich mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Diesmal war es der Chefredakteur von „Technische Logistik“, der Peter Kazander (rechts im Bild) in München zum Interview besucht hat.

2.  (Quelle: Euroexpo)

» Virtuelle Messen sind ein Widerspruch in sich!«

Peter Kazander

Geschäftsführer der Euroexpo GmbH, München

Jan Kaulfuhs-Berger: Die „LogiMAT.digital“ ist als komplett neues Format seit Ende April online. Was genau steckt dahinter?

Peter Kazander: Um offen und ehrlich zu sein: Das ist eine Idee, die schon viel älter ist und gegen die wir uns lange gewehrt haben.

Und nun kommt die Pandemie dazwischen.

Ja, es hat in der Tat mit der Pandemie zu tun, dass dies jetzt in dieser Form zustande gekommen ist. Viele Logimat-Aussteller haben immer wieder nachgefragt, ob es nicht möglich ist, zwischen den Präsenzveranstaltungen gewissermaßen eine Brücke zu bauen.

Aber?

Um auch wieder ehrlich zu sein, mit Präsenzveranstaltungen in dieser Größenordnung hat man in der Regel genug zu tun. Aber pandemiebedingt haben Anfang des Jahres gesagt: Das können wir jetzt umsetzen. Was wir aber definitiv nicht wollten und wollen ist eine virtuelle Messe. Das ist ein Widerspruch in sich. Auf Messen bringe ich Menschen zusammen, auf einer Plattform wie die „LogiMAT.digital“ Angebot und Nachfrage.

Das würden wir gern noch ein wenig aufdröseln.

Unsere Hauptaufgabe bei der Logimat in Stuttgart ist es, für den Besucher einen Ort zu schaffen, wo dieser gern hingeht. Einen Ort, an dem er sich wohlfühlt, an dem er gern Geschäfte macht. Das ist genau das, was der Aussteller will. Mit der „LogiMAT.digital“ haben wir versucht, diese Anforderung ins Internet zu bringen. Also eine digitale Plattform zu schaffen, wo der Besucher gern hinkommt und wo ihm etwas geboten wird. Das machen wir über sehr viele Events.

Das schafft eine virtuelle Messe nicht?

Nein, wenn ich eine virtuelle Messe mache, dann würde ich alle Themen auf drei Tage packen. Und entweder hat der Besucher an diesen Tagen Zeit oder nicht. Das wollen wir nicht. Wir haben eine Unmenge an Themen und diese verteilen wir über das gesamte Jahr. Er ist nicht mehr darauf angewiesen, an einem bestimmten Tag dabei zu sein, sondern wenn ihn ein Thema interessiert, dann geht er auf die Plattform.

Wenn man also, sagen wir, eine Sendung verpasst hat, dann findet er diese später in einer Art Mediathek?

Ja, sicher. Er kann sich, das was ihn interessiert, de facto zum Zeitpunkt seiner Wahl anschauen. Und noch ein ganz wichtiger Punkt: Wenn der Besucher auf der Plattform ist, dann passiert etwas, was ebenfalls zu meiner Aufgabe gehört: Ich schlage Anbieter und Kunden gegenseitig vor. Ich bringe Käufer und Verkäufer digital zusammen.

Das funktioniert ja nur mit hinreichend vielen Personen. Kann man zurzeit bereits die Teilnehmerzahlen beziffern?

Nun, die wachsen stetig. Wir sind derzeit schon gut im vierstelligen Bereich unterwegs. Diese Zahl ist übrigens auf der Plattform transparent und wird täglich aktualisiert. Highlight und mit Sicherheit ein Push für die Teilnehmerzahlen werden die drei Tage in Stuttgart werden, …

… der „LogiMAT.digital Summer Summit“ …

… an dem wir ganz unterschiedliche Session von Stuttgart aus senden werden.

Ähnlich der, die derzeit im Münchner Studio produziert werden?

Ja, aber wir machen dies vom 22. bis 24. Juni in Stuttgart, doch nicht weil die Qualität der anderen Session schlechter wäre. Wir wollen diese drei Tage, an denen wir eigentlich eine Präsenzmesse gehabt hätten, mit etwas Besonderem belegen. An diesen drei Tagen werden wir in Stuttgart dafür noch bessere technische Voraussetzungen haben.

Diese drei Tage werden dann gewissermaßen das Sahnehäubchen der „LogiMAT.digital“?

Ja, aber wir stellen schon fest, dass ein Sahnehäubchen gar nicht reicht. Wir kreieren bereits für den Herbst ein weiteres Sahnehäubchen und für Januar/Februar 2022 werden wir, wenn man das so ausdrücken kann, einen ganzen Berg Sahne zur Verfügung stellen. Das wird dann noch einmal alles in den Schatten stellen. Wir werden dann gemeinsam mit den Ausstellern der Logimat 2022 zwei Monate diese Plattform intensiv nutzen und die Besucher heiß auf die Präsenzveranstaltung machen.

Hierüber werden wir, denke ich, im Herbst noch einmal ausführlich sprechen.

Gern.

Blicken wir aber erst einmal in den Juni. Was kann man über diese drei Tage in Stuttgart sagen?

Nun, das Programm ist ja transparent und auf der digitalen Plattform bereits einsehbar. Eines der Highlights in Stuttgart ist sicherlich die Präsentation der Gewinner „Bestes Produkt 2020“. Der Preis wurde vergangenes Jahr zwar vergeben, aber nicht übergeben. Was also fehlte ist die Würdigung. Das holen wir in diesem Jahr nach, die Preisträger werden vor Ort sein. Und wir haben natürlich auch am Abend des 22. Juni die Preisverleihung „Bestes Produkt 2021“. Obwohl es in diesem Jahr keine Präsenzmesse gibt, wollen wir darauf nicht verzichten.

Stichwort Präsenzmesse: Was wir aus der Branche hören, ist – bei allen Vorteilen der Online-Veranstaltungen – ein Zurück zu Präsenzveranstaltungen. Das gilt sicher auch im Hinblick auf Messen?

Ein ganz klares Ja! Ein Messe-Feeling, also das was auf einer Präsenzmesse geschieht, kann man definitiv im Internet nicht übertragen. Und was extrem auffällt ist der Hunger, die Sehnsucht nach sozialen Kontakten. Es ist unabdingbar, wieder vor Ort zu sein, wieder mit Menschen persönlich zu sprechen, jemanden, mit dem ich Geschäfte machen möchte, vertrauensvoll in die Augen zu schauen. Alle Online-Portale in Ehren, man kann hier auch sehr hochwertige Qualitäten abbilden. Aber es ist keine Präsenz.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Technische Logistik 06/2021 PDF-Download (1.7 MB) Autor: J. Kaulfuhs-Berger