„Global Player in einem starken Markt“

„Global Player in einem starken Markt“

Gespräch über die anhaltende Elektrifizierung von Hafenanlagen und die Lage in Süd-Ost-Asien

Internationaler geht es kaum. Ein Chinese, der für eine deutsche Firma in Singapur tätig ist, kommt zum Interview nach Thailand. Jan Kaulfuhs-Berger, Chefredakteur „Technische Logistik“, hat Xiaowei Jiang, Key Account Manager Hafentechnologie bei Vahle, in der Nähe von Laem Chabang, dem größten Hafen Thailands, in dem gerade eines der Vorzeigeprojekte der Vahle Group realisiert wird, getroffen.

1.  (Quelle: Vahle)

» Wir haben uns innerhalb kürzester Zeit zu einem echten Spezialisten im Bereich der Hafen-Elektrifizierung entwickelt.

Xiaowei Jiang, Key Account Manager Hafentechnologie bei Vahle

Jan Kaulfuhs-Berger: Sie kommen soeben aus Laem Chabang. Wie ist der aktuelle Stand des Projektes?

Xiaowei Jiang: Es ist alles im Plan, sodass dieses Projekt Ende 2020 abgeschlossen sein wird.

„Technische Logistik“ hat genau vor einem Jahr (TL 11-12/2018, Seiten 52-55) detailliert in einer Reportage über das Projekt berichtet. Dennoch geben Sie uns bitte noch einmal ein paar Eckdaten.

Die technischen Vorbereitungen für dieses Projekt wurden bereits 2017 abgeschlossen. Im Jahr 2018 haben wir begonnen, das System zu installieren und konnten bis Ende des Jahres 2018 bereits 20 Krane und 20 Containerblöcke mit einem jeweils fünf Kilometer 4-poligen Stromschienensystem und der dazugehörigen Kommunikationsschiene SMGX ausrüsten.

Was ist – aus Ihrer Sicht – das Besondere an Laem Chabang?

Laem Chabang ist der erste funktionale automatisierte Hafen mit eRTGC, gummibereiften Containerkranen, weltweit.

Der erste?

Ja, bis vor einigen Jahren war es ein Problem, RTG überhaupt zu elektrifizieren.

Weshalb?

Sie müssen sich vorstellen, dass es eine Herausforderung ist, diese schweren Fahrzeuge mit Gummibereifung exakt zu steuern, ja zu balancieren – und das mit den entsprechenden Geschwindigkeiten. Wir haben dies dank des automatischen Fahrt- und Steuerungssystems von Vahle und unserer Stromschiene so hinbekommen, dass die Gassenkrane jetzt sicher mit 135 Metern in der Minute – vorwärts wie rückwärts – fahren können und das sogar automatisiert.

Man kann also mit Fug und Recht sagen, Paul Vahle, der Mittelständler aus Nordrhein-Westfahlen, spielt weltweit im Bereich der Hafenelektrifizierung eine große Rolle?

Ja, ganz klar. Wir haben uns innerhalb kürzester Zeit zu einem echten Spezialisten im Bereich der Hafen-Elektrifizierung entwickelt. Das ist ein stark wachsender Markt, in dem wir als Global Player agieren. Die uns entgegengebrachte Zufriedenheit unserer Kunden bestätigt uns in dem, was wir tun und das Tag für Tag. Weltweit wird die Qualität unserer Systemlösungen geschätzt, gerade die Themen Reduzierung der Umweltbelastung sowie Kosteneffizienz durch Elektrifizierung, die Terminal-Automatisierung und die damit verbundene Sicherheit im Hafen sind unsere Game-Changer im Business.

Wir sind hier in Süd-Ost-Asien. Wenn Sie bitte ein paar Worte über den Markt hier verlieren können.

Ganz grundsätzlich, der asiatische Markt ist, was dieses Geschäftsfeld betrifft, ein wirklich großer Markt. Bezogen auf Süd-Ost-Asien können wir davon ausgehen, dass der weltweite Marktanteil bei etwa 25 Prozent liegt.

25 Prozent des Weltvolumens?

Ja, bezogen auf alle Hafenkrane weltweit.

Wenn wir dies mit anderen großen Märkten, beispielsweise Nordamerika, vergleichen?

Dies ist sicher auch ein ganz wichtiger Markt in diesem Bereich. Aber der Hauptunterschied zu Asien liegt woanders. In den USA gibt es tendenziell weniger Häfen, die aber deutlich größer sind, während es hierzulande viele vergleichsweise kleinere Häfen gibt.

Übersetzt heißt das, es wurde in Asien schon viel elektrifiziert und es gibt aber noch eine ganze Menge zu automatisieren?

Wir müssen das Thema Entwicklung der Häfen in seiner Gesamtheit betrachten. Im Grunde kann man von zwei Wellen sprechen. Die erste große Welle fand in China vor vielleicht fünfzehn bis zwanzig Jahren statt. Der Drive in den südostasiatischen Markt kam etwa zehn Jahre später. Auf Deutsch: Die Entwicklung, die China vor zehn Jahren mitgemacht hat, ist heute in Süd-Ost-Asien zu beobachten. Was Vahle betrifft, kann man es so formulieren: Wir haben die erste Welle noch nicht mitgemacht, sind bei der zweiten aber ganz vorn mit dabei.

Die Elektrifizierung in den Häfen setzt sich also in Süd-Ost-Asien sukzessive fort?

Nun gut, es gibt eine ganze Menge Häfen hier, ja. Aber um diese elektrifizieren zu können, muss erst einmal – das klingt banal – Elektrizität vorhanden sein. Genügend Elektrizität. Viele kleine Häfen sind da noch nicht soweit …

… und die größeren Häfen sind entsprechend ausgestattet?

Ja, die haben zumeist die technischen Voraussetzungen und gelegentlich auch den nötigen Support der jeweiligen Regierung beziehungsweise der lokalen Behörden. Man muss nicht erst nach Myanmar fahren, um das beurteilen zu können. Wenn man hier in Thailand einmal auf die Stromführung auf der Straße achtet, sieht das oftmals noch alles sehr ungeplant aus. Im Laem Chabang aber, um wieder den Bogen zu bekommen, ist die Versorgung top.

Was für eine Automatisierung auch unabdingbar ist. Womit wir zum Abschluss kommen, mit der Frage, ob das Thema Automatisierung unter dem Aspekt Arbeitskräfte hierzulande tatsächlich so ein Thema ist?

Ich glaube schon. Früher war Kranfahrer zu sein, irgendwie in – auch, weil man gutes Geld verdient hat. Aber heute ist es cooler, mehrere solche Kolosse per Joystick ferngesteuert zu bedienen. Auch oder gerade hier in Süd-Ost-Asien.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Technische Logistik 12/2019 PDF-Download (1.67 MB) Autor: J. Kaulfuhs-Berger