„Fit für ein zweites Leben“

„Fit für ein zweites Leben“

Keine Aufarbeitung von Rückläufern durch Fremdfirmen

Wenn man ein wenig in die Tiefe blickt stellt man fest, dass das Miet- und Leasinggeschäft stetig an Bedeutung gewinnt, diese allerdings – je nach Hersteller und Region – stellenweise sehr schwankt. Unabhängig davon stellt sich natürlich für jeden Hersteller die Frage: Was passiert, wenn das Gerät, sei es ein Stapler oder ein Anbaugerät, eines Tages zurückkommt? Auch hier sind die Ansätze unterschiedlich.

2.  (Quelle: Clark)
3. (Quelle: Durwen)

» Unsere Kunden entscheiden selbst über den Grad der Aufarbeitung und die Gewährleistungs-dauer.

Paulina Juarez, Senior Director Used Trucks & Short Term Rental EMEA bei Linde Material Handling

» Während beispielsweise in Großbritannien der Anteil bis zu 90 Prozent beträgt, werden in Deutschland lediglich etwa 25 Prozent unserer Fahrzeuge gemietet oder geleast.

Pascal Haack, Vertriebsleiter Gebrauchtgeräte, Hubtex Maschinenbau GmbH & Co. KG

Aber in einem sind sich die meisten einig. „Gebrauchtgeräte spielen eine zunehmende Rolle im Life-Circle-Management“, erklärt Paulina Juarez, Senior Director Used Trucks & Short Term Rental EMEA bei Linde Material Handling. Es lohne sich, die Rückläufer nach Ablauf von Miet- oder Rentalverträgen „aufzuarbeiten und sie wieder fit für ein zweites Leben zu machen“.

Zudem werde der Ressourcenverbrauch reduziert und somit ein signifikanter Beitrag zur Nachhaltigkeit geleistet, heißt es. Dennoch steht nicht nur der Umweltgedanke im Vordergrund der Überlegung, wenn es darum geht, Rückläufern in ein zweites Staplerleben zu verhelfen. Allein die Zahlen, so unterschiedlich sie an der einen oder anderen Stelle sein mögen, sprechen eine deutliche Sprache. Auch wenn nicht jeder etwas sagt.

Stetiges Wachstum

Bei Toyota Material Handling beispielsweise verweist man auf das Geschäftsgeheimnis, verrät aber so viel, dass der Anteil des Miet- und Leasinggeschäfts wächst, „und sich das stetige Wachstum der vergangenen Jahre, besonders im Miet- und Gebrauchtgerätegeschäft, weiter fortsetzen wird“, so Dirk Landefeld, Geschäftsbereichsleiter Miete & Gebrauchtgeräte bei To-yota Material Handling. Ähnlich sieht man das bei Clark Europe, fügt aber an, dass sich der Trend insbesondere im Bereich des Flottengeschäfts fortsetzen werde.

Bei Linde Material Handling heißt es, dass der Anteil des Miet- und Leasing-Geschäfts am Neugeschäft stark davon abhänge, „in welchem Land das Gerät verkauft wird“. So sei der Anteil in Westeuropa beispielsweise deutlich höher als der in Osteuropa. „Und es gibt Märkte“, ergänzt Paulina Juarez, „da machen Rentalverträge, also Leasingverträge mit Fullservice, sogar den überwiegenden Teil des Neugeschäfts aus.“

Deutlicher, was die reinen Zahlen betrifft, werden Jungheinrich und Hubtex. Während der Hamburger Intralogistik-Spezialist von einem Anteil am Neugeschäft von rund 55 Prozent spricht, weist Pascal Haack, Vertriebsleiter Gebrauchtgeräte bei der Hubtex Maschinenbau GmbH & Co. KG daraufhin, dass „im internationalen Vergleich … der Anteil am Miet-/ Leasinggeschäft sehr unterschiedlich“ sei. „Während beispielsweise in Großbritannien der Anteil bis zu 90 Prozent beträgt, werden in Deutschland lediglich etwa 25 Prozent unserer Fahrzeuge gemietet oder geleast.“

Auch bei der Durwen Maschinenbau GmbH, einem renommierten Hersteller von Anbaugeräten aus dem rheinland-pfälzischen Plaidt, geht man von „einer deutlich steigenden Tendenz“ aus, obgleich sich der Anteil des Mietgeschäfts im mittleren einstelligen Bereich bewege. „Projekte sind für unsere Kunden immer schwerer planbar“, erläutert Markus Fettkenheuer, Vertriebsleiter für Deutschland, Österreich und die Schweiz, „daher wird sich der Trend, Anbaugeräte zu mieten, sowohl in der Kurz-, als auch in der Langzeitmiete noch verstärken.“

Selbstgesetzte Standards

Einigkeit herrscht hingegen bei dem Punkt, ob die Aufarbeitung von Rückläufern an Fremdfirmen vergeben wird oder nicht. Paulina Juarez wird an dieser Stelle deutlich: „Nein, denn wir sind der Meinung, dass wir unsere selbstgesetzten Qualitätsstandards nur durch eigene Mitarbeiter sicherstellen können.“ Erklärtes Ziel des Herstellers Linde Material Handling ist, „dass unsere Kunden von zuverlässigen Geräten profitieren“.

Ähnlich klingt es bei Toyota. Man achte als Hersteller auch bei der Aufarbeitung der Gebrauchtgeräte auf höchste Qualität. „Deshalb werden, je nach Gerätealter und –laufzeit, unterschiedliche Qualitätsstufen angeboten“, so Dirk Landefeld. Und geht ins Detail: Die Aufbereitung, also die Reinigung sowie technische und optische Aufbereitung, erfolge grundsätzlich nach den Prinzipien des Toyota-Produktionssystems. „Wir verwenden hierfür ausschließlich Toyota-Originalteile und bieten darüber hinaus als einziger namhafter Hersteller eine über die gesetzliche Gewährleistung hinausgehende Garantie auf die Maschinen an – bei Elektrostaplern sogar auf die Batterie.“

Die Aufarbeitung der Clark-Stapler (siehe auch Reportage ab Seite 50) findet in den Fachwerkstätten direkt am Point of Sale statt. Rolf Eiten, President & CEO Clark Europe GmbH, erklärt: „Die zurückgegebenen Fahrzeuge werden überwiegend durch die eigene Organisation aufgearbeitet und dann wieder dem Markt zugeführt.“ Zudem würden inzwischen auch in der Europazentrale in Duisburg Fahrzeugrückläufer aufgearbeitet und gezielt wieder in den Markt gebracht.

Auch bei Durwen stößt man in das gleiche Horn. Die Aufarbeitung der Gebrauchtgeräte findet „in unserem eigens für diesen Geschäftsbereich geschaffenen Miet- und Gebrauchtzentrum statt“, so Markus Fettkenheuer gegenüber „Technische Logistik“.

Stichwort „eigens geschaffen“: Jungheinrich verfügt bereits seit dem Jahr 2006 über ein eigens geschaffenes Aufbereitungszentrum in der Nähe von Dresden (siehe auch Reportage ab Seite 46). „Dort haben wir in den vergangenen 13 Jahren rund 50.000 Fahrzeuge aufgearbeitet“, sagt Benedikt Nufer, Fachpressesprecher bei Jungheinrich.

Auch bei Hubtex wird „der überwiegende Teil der Fahrzeuge in unserem Werk in Fulda aufgearbeitet“, wie Pascal Haack ausführt. Dabei würden die Fahrzeuge oft sehr stark an die spezifischen Einsatzanforderungen der Kunden angepasst. „Gerade bei umfangreichen Nachrüstungen profitiert der Kunde von der direkten Anbindung zum Herstellerwerk.“ Zudem würden Generalüberholungen auch von den Niederlassungen im Ausland durchgeführt. Haack: „In beiden Fällen ist eine hohe Qualität und eine schnelle Umsetzung durch das Know-how unserer Werkstechniker garantiert.“

Schnelle Umsetzung, das heißt bei Hubtex, dass eine fachgerechte Aufarbeitung - je nach Zustand des einzelnen Fahrzeuges – zwischen vier und acht Wochen dauert. Die Fahrzeuge werden dann, wie es heißt, „über alle Möglichkeiten“ wieder in den Markt gebracht.

Zwischen acht und zehn Wochen dauert die Aufarbeitung bei Jungheinrich. Die „Jung-Stars“ genannten Fahrzeuge werden entweder wieder verkauft oder vermietet – speziell an Kunden mit geringen bis mittleren Einsatzzeiten,“ so Nufer.

Bei Durwen hingegen sind die zurückgekommenen Geräte, nachdem sie einem Check unterzogen worden, in der Regel nach wenigen Tagen für den nächsten Einsatz wieder verfügbar. Fettkenheuer: „Unsere top aufgearbeiteten Anbaugeräte werden ausschließlich über die Flurförderzeug-Händler vermarktet.“ Mit etwa 1.000 Anbaugeräten aus dem Bestand könne man nahezu jeden Einsatzfall abdecken – „und das meist kurzfristig“.

Die Dauer der Aufarbeitung bei Linde Material Handling sei vor allem vom Zustand des Gerätes und dem betreffenden Fahrzeugmodell abhängig. „Darüber hinaus entscheiden unsere Kunden selbst über den Grad der Aufarbeitung und die Gewährleistungsdauer“, sagt Paulina Juarez. Das, wie es heißt, „Geprüfte Stapler“-Programm von Linde Material Handling kenne drei unterschiedliche Level: „Plus“, „Super“ und „Ultra“ – deren Wahl nicht zuletzt davon abhänge, wie anspruchsvoll die Anwendung im zweiten Staplerleben ist. Paulina Juarez: „Je höher das Aufarbeitungslevel, umso größer natürlich auch der zeitliche Aufwand.“ Im Fokus stehe dabei das Endkundengeschäft, weshalb der Verkauf ausschließlich über die exklusiven Linde-Netzwerkpartner erfolge.

Das ist bei Toyota ähnlich. Auch hier spricht man von drei Qualitätspaketen („Basic“, „Premium“, „Premium Plus“) in der Aufarbeitung. Neben den Qualitätspaketen sei die Dauer der Aufarbeitung „abhängig vom Typ, dem Alter und den Betriebsstunden des Fahrzeugs“, so Dirk Landefeld. Der Vertrieb der aufgearbeiteten Fahrzeuge erfolge im Wesentlichen über zwei Kanäle: dem Direktvertrieb oder den Toyota-Vertragshändlern.

Differenzierte Preisspanne

Differenzierter wird das Bild wieder, kommt das Thema auf den Wiederverkaufswert zu sprechen. Während man sich hier bei Jungheinrich bedeckt hält, gibt es bei Linde Material Handling den Hinweis, dass der Preis vom Aufarbeitungslevel und dem Fahrzeugmodell abhängig sei. Dirk Landefeld von Toyota erläutert: „Die Spanne reicht vom nahezu neuwertigen Gerät aus unserer Vorführflotte bis zum intensiv genutzten Gerät aus einer Langzeitmiete.“ Die Verkaufspreise würden je nach Qualitätsstufe und nach den genannten Kriterien definiert.

Ähnlich sieht man dies bei Clark. „In der Regel bestimmen der Zustand und das Alter der Maschinen den Preis“, sagt Rolf Eiten. Dabei lägen die prozentualen Margen im Gebrauchtgerätegeschäft höher als im Neugeschäft.

Bei Hubtex gestaltet sich das Bild etwas differenzierter. Zunächst richte sich der Preis nach Zustand und Alter des Fahrzeugs sowie nach dem Aufwand der Aufarbeitung. „Generell zeichnen sich unsere Fahrzeuge durch einen hohen Restwert aus“, so Pascal Haack. Zudem sei der Preis auch stark von der Spezifikation abhängig. Fahrzeuge, die auf sehr individuelle Anforderungen zugeschnitten sind, seien oftmals schwieriger wiederzuverkaufen. „Gerade bei Leasingfahrzeugen versuchen wir unsere Kunden aber so zu beraten, dass durch einen hohen Restwert der Wiederverkauf schnell zu erzielen ist und die Leasingrate dann idealerweise niedriger wird.“

Während im Grunde zum Thema Wiederverkaufswert eher qualitative Aussagen zu hören sind, wird Durwen etwas konkreter. Auch hier sei der zu erzielende Verkaufserlös eines gebrauchten Anbaugerätes abhängig von Alter und Zustand. Dennoch: Der Kunde kann hier mit Preisen zwischen 40 und 70 Prozent im Vergleich zu einem Neugerät rechnen. Jan Kaulfuhs-Berger

PDF-Download (2 MB) Autor: J. Kaulfuhs-Berger