„Die Reise ist noch nicht zu Ende“

„Die Reise ist noch nicht zu Ende“

Ein Gespräch über das Spannende an der Stückgutfördertechnik

Rulmeca Germany setzt weiter auf Wachstum und hat kürzlich offiziell drei neue Fertigungsmaschinen in Betrieb genommen. Das Unternehmen reagiert damit auf die steigende Nachfrage nach Trommelmotoren und schafft zugleich die Voraussetzungen für schnelleren Durchsatz sowie weiteres Wachstum im Stückgutgeschäft. Die Redaktion sprach vor Ort mit Tobias Badtke, Managing Director, und Andreas Flies, Sales Manager Unit Handling, über die weiteren Pläne Rulmecas und die damit zusammenhängenden Herausforderungen.

Christina Kasper: Seit fünf Jahren ist Rulmeca im Bereich der Fördertechnik für Stückgut wieder aktiv. Was ist für Sie das Spannende daran?

Tobias Badtke: Der Aufbau eines neuen Marktsegments neben dem Schüttgutbereich ist für uns eine tolle Herausforderung. Das betrifft den Marktaufbau als solchen ebenso wie die dazugehörige Weiterentwicklung der Organisation. Das ist eine ganzheitliche Aufgabe, und man darf nicht unterschätzen, wie sehr sich die Anforderungen im Schüttgutbereich von denen im Stückgut unterscheiden. Glücklicherweise fangen wir in dem Bereich nicht bei Null an. Bis zum Jahr 2006 wurden am Standort Aschersleben in großen Stückzahlen Trommelmotoren für den Stückgutbereich gefertigt, bis die Produktion an einen anderen Standort verlagert wurde. Wir betreten also kein Neuland; es gibt folglich auch keine Kinderkrankheiten bei den Produkten.

Andreas Flies: Parallel dazu betreiben wir in Italien eine neue Rollenproduktion, um den Logistikmarkt versorgen zu können. Der Logistikmarkt in Europa wächst. Das ist für uns eine ganz große Chance, uns hier, im Bereich Logistik, mit einem zweiten Standbein abzusichern.

Mit welchen Lösungen wollen Sie denn Ihre Marktpräsenz in Europa stärken?

Andreas Flies: Wir planen das Trommelmotor-Portfolio in den nächsten ein bis zwei Jahren weiter auszubauen in Richtung Synchronmotor und smarte IoT-Anbindungen für die Predictive-Maintenance-Optimierung vorzustellen. Zudem verfügen wir über ein großes Angebot an angetriebenen Rollen für staudrucklose Fördertechnik. Diese angetriebenen Rollen bieten wir auch für Rollenbahnen an. Zusätzlich dazu gibt es auch noch sehr komfortable Steuerungslogik von dem Unternehmen Pepperl+Fuchs für dieses Anwendungsgebiet. Dies alles sind neue Wachstumsmärkte für uns, von denen wir uns viel versprechen.

Was genau versprechen Sie sich denn?

Tobias Badtke: Wir bieten von Anfang an erprobte und ausgereifte Lösungen. Deshalb konnten wir binnen fünf Jahren auch bereits wieder einen Marktanteil von geschätzten zehn Prozent zurückerobern. Die Reise ist für uns hier aber noch lange nicht zu Ende. Eine hohe Dynamik, gepaart mit langjährigem Know-how, ermöglicht es uns, sehr reibungslos und schnell zu wachsen, um vom Second Source schnell zum Hauptlieferanten aufsteigen zu können.

Dynamik und Know-how: Würden Sie sagen, das sind die Stärken von Rulmeca – das, was Sie vom Wettbewerb unterscheidet?

Tobias Badtke:Absolut. Mit 23 Trommelmotorbaureihen bieten wir das breiteste Portfolio am Markt. Darüber hinaus verfügen wir auch über die größte Fertigungstiefe. Dadurch können wir hervorragend auf die individuellen Anforderungen der großen OEM des Maschinen- und Anlagenbaus eingehen, denn Trommelmotoren sind neben dem Förderanlagenbau für Lager- und Logistikapplikationen vor allem auch in der zu- und abführenden Fördertechnik der Fertigung zu finden. Zudem profitieren unsere Kunden von unserem klaren Fokus auf das Komponentengeschäft, da wir gegenüber Förderanlagenbauern nicht als Wettbewerber auftreten.

Wo liegen für Sie momentan die technischen Herausforderungen?

Andreas Flies: Die Daten, die wir für Predictive Maintenance brauchen, so bereitzustellen, dass sie unseren Kunden Mehrwerte bieten können. Wir haben derzeit diverse Teststellungen der Prototypen unserer Hochleistungstragrollen in unterschiedlichen Weltregionen am Laufen. Auf Basis dieser Erkenntnisse werden wir voraussichtlich im Laufe der nächsten zwei Jahre erste Lösungen auf den Markt bringen können, unter Umständen auch schon nach sechs Monaten. Die Frage, die sich stellt, ist, wie weit ist der Markt dafür? Auch in Bezug auf den „intelligenten Motor“.

Und wie weit ist der Markt dafür Ihrer Meinung nach?

Andreas Flies: Ich glaube, der Aufwand, den wir betreiben müssten, um Daten aus dem Motor nach draußen zu führen, wäre noch extrem groß. Allerdings hängt das schlussendlich von der Stückzahl ab. Doch wir sind da natürlich dran, sei es in Bezug auf die Intelligenz des Motors oder auch die Rolle, denn es geht nicht um den Motor allein.

Sondern?

Andreas Flies: Unsere Kunden wollen gerne wissen, wann ein Bauteil eventuell ausfallen könnte. Dabei ist es genauso wichtig, neben dem Trommelmotor auch die Tragrolle zu betrachten. Eine Tragrolle, die in einer Gurtanwendung im Einsatz zu warm wird, ist genauso kritisch wie ein heiß gelaufener Motor.

Tobias Badtke: Zudem werden wir uns intensiver mit der Synchronmotortechnik befassen, weil diese insbesondere im kleinen Leistungsbereich Energiesparoptionen bietet, die unsere Lösungen noch effizienter machen können. Außerdem werden wir auf Basis einer möglichen Digitalisierung neue Services entwickeln. Es ist eine sehr spannende Zeit für die gesamte Fördertechnikbranche.

Spannend ist immer auch der Blick in die Zukunft. Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre.

Tobias Badtke: Wir investieren in Mitarbeiter, Produkte und Märkte gleichermaßen, das auch international als Rulmeca-Gruppe. Für den Standort Aschersleben ist es uns besonders wichtig, unser bereits seit 1850 existierendes Unternehmen konstant weiter zu entwickeln, um als größter gewerblicher Arbeitgeber der Stadt weiterhin Nachhaltigkeit zu gewährleisten – für unsere Mitarbeiter und damit selbstverständlich auch für unsere Kunden, die Motoren auch noch nach vielen Jahren des Betriebs bei uns warten lassen können. Aus diesem Grund haben wir auch in unsere neue Fertigungslinien investiert und werden dies auch in Zukunft weiter tun.

Andreas Flies: Wir sind ein Qualitätsanbieter. Das ist unsere DNA. Das sichern wir ab mit einem hohen Maß an Wertschöpfung und Know-how hier in Aschersleben und in der Rulmeca-Gruppe.

 Herr Badtke, Herr Flies, vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

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