„Das Beste aus zwei Welten“

„Das Beste aus zwei Welten“

Andreas Kaiser und Cedric Knevels über das Potenzial der Lineartechnik

Das 1975 gegründete Unternehmen Rollon ist ein weltweiter Anbieter für (Kundenspezifische-)Lösungen im Bereich der Lineartechnik und mechanischer Automation. Auf Basis ihres vielfältigen Portfolios lassen sich applikationsspezifische Intralogistikanlagen mit hoher Dynamik realisieren. Die Redaktion „Technische Logistik“ sprach mit Andreas Kaiser, Business Development Director, und Cedric Knevels, Business Development Associate, bei der Rollon GmbH über neue Herausforderungen und Chancen.

Cedric Knevels, Business Development Associate, Rollon GmbH
Andreas Kaiser, Business Development Director, Rollon GmbH

» Im Lagerbereich und der Shuttletechnik ist Rollon bereits sehr stark und aktiv präsent.«

Cedric Knevels, Business Development Associate, Rollon GmbH

 

»Wir wollen künftig noch stärker die weltweit unterschiedlichen Anforderungen der Kunden verstehen und die Erschließung neuer Märkte vorantreiben.«

Andreas Kaiser, Business Development Director, Rollon GmbH

 

Christina Kasper: Herr Kaiser, Herr Knevels, die Rollon GmbH entwirft, produziert und vertreibt ein komplettes Sortiment für die Lineartechnik, welche Einsatzgebiete haben Sie dafür vor allem im Fokus?

Andreas Kaiser: Die Lösungen von Rollon umfassen Linearführungen, Teleskopführungen, Linearantriebe und Systeme für die Automatisierung. Anwendungen finden sie in verschiedenen Industriezweigen, wie Maschinenbau, Robotik, Verpackung, Logistik, Luftfahrt-Interieur oder Schienenfahrzeugtechnik.

Und bezogen auf den Logistikbereich, speziell die Lagertechnik?

Cedric Knevels: Für uns unterteilt sich die Logistikbranche in unterschiedliche Segmente – eins dieser ist der Lagerlogistikbereich, geprägt durch Shuttletechnik. In diesem Segment ist Rollon bereits sehr stark und aktiv präsent. Wenn wir die andere Bereiche betrachten, ist definitiv noch Potenzial für den Geschäftsausbau vorhanden. Das haben wir erkannt und wollen hier künftig unsere Marktpräsenz stärken.

Mit anderen Bereichen meinen Sie zum Beispiel?

Cedric Knevels: Im Bereich der Lagerlogistik gibt es Applikationen mit hohen Anforderungen an Steifigkeit und Lebensdauer auf begrenztem Bauraum. Rollons kundenspezifische Lösungen können die Anforderungen der verschiedenen Bereiche erfüllen.

Andreas Kaiser: Es geht uns dabei speziell um angetriebene Achsen und Zuführungen, beispielsweise um Boxen oder Gebinde an Shuttles zu- oder abzuführen.

Warum sind Sie in diesem Bereich des Warenhandlings noch nicht so stark vertreten? Die Nachfrage ist doch sicherlich da?

Andreas Kaiser: Ja, das stimmt. Es liegt, denke ich, eher an der Wahrnehmung des Kunden. Rollon ist vorwiegend als Marktführer für Industrieteleskope in Europa und Nordamerika bekannt, nicht unbedingt als der Spezialist für angetriebene Linearachsen im Warenhandling. Wir haben hier also letzten Endes unsere Positionierung am Markt zu verbessern und unsere Vertriebsaktivitäten zu verstärken.

Mit welchen Produkten würden Sie den Fokus des Marktes denn stärker auf Ihre Kompetenz im Bereich Materialfluss lenken wollen?

Andreas Kaiser: Unser Produktportfolio umfasst Linearachsen mit Kugel- oder Rollenlager, Riemen- oder Zahnstangenbetrieb sowie schmierstofffreie, abgedeckte und offene Varianten. Zudem bieten wir Lösungen, die auch im Tiefkühl-Bereich ohne Schmierstoffe funktionieren. Wir sind also in der Lage, auf einen sehr großen Produktbaukasten zurückzugreifen.

Cedric Knevels: Was ich auch nochmal hervorheben möchte ist, dass Rollon für kundenspezifische Lösungen bekannt ist, und wir das nun in den Aktuatorik-Bereich ausweiten wollen. Auch hier möchten wir an Präsenz gewinnen, um unsere Kunden als Baugruppenlieferant bedienen zu können.

Auf welche Anwendungsbereiche würde sich das dann beziehen?

Cedric Knevels: Das bezöge sich zum Beispiel auf Palettieranwendungen, die im Logistikbereich sehr gefragt sind. Auch etwa bei Großkunden auf die sogenannten „Pick-it-Easy“-Stationen. Hier werden Achsen eingesetzt, um Produkte auf eine gewisse Höhe anzuheben, damit sie vom Mitarbeiter einfacher gehandhabt werden können. So soll die Arbeitsbelastung im Lager reduziert und ein ergonomisches Arbeiten ermöglicht werden.

Andreas Kaiser: Was, wie ich finde, außerdem sehr wichtig ist und uns auch von unserem Wettbewerb deutlich abhebt ist, dass bei uns die kundenspezifischen Lösungen besonders im Fokus stehen. Im Mittelpunkt steht die Produktoptimierung nach technischen und wirtschaftlichen Aspekten für den speziellen Bedarfsfall.

Das heißt, auch Anwendungsfälle der Robotik in der Produktionslogistik? Ist das nicht auch ein Schwerpunkt-Bereich mit Potenzial für Sie?

Andreas Kaiser: Das stimmt, man kann sogar sagen, wir verbinden mit unseren Produkten das Beste aus beiden Welten. Also die Welt der Lineartechnik und die Welt der Robotik.

Wie meinen Sie das genau?

Andreas Kaiser: Mit unseren Linearachsen lässt sich der Aktionsradius eines Roboters erweitern und das unabhängig von Hersteller oder Robotertyp. Umso größer die benötigte Reichweite für den Prozess, desto mehr spart der Anwender durch die Kombination aus Roboter und Linearachse im Vergleich zu zwei oder mehreren Einzelrobotern. Kombiniert man also beides, hat man die Anwendungsvielfalt des Roboters und kann ihn flexibler für mehrere Arbeitsstationen einsetzen.

Cedric Knevels: Besteht jedoch beispielsweise bei Palettieraufgaben ein Platzproblem, können anstelle von Robotern Rollon-Mehrachssysteme eingesetzt werden.

Was sehen Sie bei dieser Chance noch an technischen Herausforderungen auf sich zukommen?

Cedric Knevels: Ich denke, technisch sind wir in unserem Segment ziemlich gut aufgestellt und können Nutzlasten bis 400 Kilogramm abdecken. Für das Verfahren von Robotern können wir sowohl Cobots mittels unserer wirtschaftlichen Zahnriemenachsen als auch Industrieroboter auf flexibel verlängerbaren Zahnstangenachsen bewegen.

Andreas Kaiser: Die Automatisierung der Logistikanlagen wird uns in Zukunft natürlich noch stärker beschäftigen. Das lohnt sich jetzt wesentlich mehr als früher, auch für Teilbereiche des Lagers – etwa durch den Einsatz von FTS. Der wachsende Onlinehandel mit verkürzten Reaktionszeiten fördert auch die Nachfrage nach Lagerautomation.

Um die spezifischen Anforderungen in der industriellen Automation erfüllen zu können, sind statt einzelner Komponenten zunehmend individualisierte Systemlösungen gefordert. Wie reagieren Sie darauf?

Cedric Knevels: Wir von Rollon arbeiten deswegen eng mit ausgewählten Systemintegratoren und Maschinenbauern zusammen. Das Ergebnis sind technisch und wirtschaftlich optimierte Automationskonzepte – passgenau auf die jeweilige Applikation zugeschnitten.

Und was wäre Ihr Wunsch für die Zukunft?

Andreas Kaiser: Wir wollen künftig noch stärker die weltweit unterschiedlichen Anforderungen der Kunden verstehen und die Erschließung neuer Märkte vorantreiben, wie zum Beispiel in Asien. Seit 2010 hat die Rollon-Gruppe ihre weltweite Präsenz verstärkt mit neuen Niederlassungen in China, Indien und Japan sowie Standorten in Russland, Brasilien und Großbritannien, die die italienische Unternehmenszentrale und die Niederlassungen in Deutschland, Frankreich und den Vereinigten Staaten ergänzen.

Herr Kaiser, Herr Knevels, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Technische Logistik 06/2020 PDF-Download (1.52 MB)