„Alles, was Intralogistik zu bieten hat“

„Alles, was Intralogistik zu bieten hat“

Michael Ruchty über eine volle Messe und eine Messe voller Innovationen

Im vergangenen Jahr hat Michael Ruchty das erste Mal die Logimat als Hauptverantwortlicher organisiert – mit Bravour. Das soll in diesem Jahr – und auch in den kommenden – so weitergehen. „Technische Logistik“ hat ihn kurz vor der Messe in seinem Münchner Büro getroffen.

Jan Kaulfuhs-Berger: Herr Ruchty, im vergangenen Jahr war die Logimat bereits ausverkauft, in diesem Jahr wieder – und trotzdem verzeichnet die Messe Zuwächse. Wie geht das?

Michael Ruchty: Richtig. Wir waren bei der Hallenplanung im Sinne der Aussteller nochmals kreativ. Die Galerie wird jetzt zum Beispiel komplett belegt …

 … was Sie ja im vergangenen Jahr bereits getestet hatten.

Im letzten Jahr war sie nur zur Hälfte belegt und das wurde sehr gut angenommen.

Das bedeutet, jede Halle bekommt eine Galerie?

Diese ist nur in Halle 1 vorhanden. Wir konnten hier mit der Komplettbelegung aber weiteren 50 Unternehmen Platz bieten. Darüber hinaus haben wir die Trade World, die speziell auf die Prozesse der Handelslogistik ausgerichtet ist im Atrium am Eingang Ost aufgeplant.

Auf Deutsch, es wird sehr voll. Besteht da nicht die Gefahr, dass man irgendwann statt von der „Messe der kurzen Wege“ von der „Messe der vollen Wege“ spricht?

Nun, sicher wird es, wenn sich die Hallentore um 9:00 Uhr öffnen, auch einmal enger werden. Aber die Gefahr der „überfüllte Wege“ sehe ich nicht. Wer beispielsweise gezielt Flurförderzeuge und dazugehörige Technik sucht, der sollte die Messe vom Eingang West her aufrollen und mit den Hallen 9 und 10 starten. Das entzerrt die Eingangs-Situation deutlich.

Dann kommen wir zu einer anderen Interpretation des Wortes „voll“ – hinsichtlich der Aussteller.

Um einmal mit den nackten Zahlen aufzuwarten: Wir erwarten über 1.650 Aussteller aus mehr als 40 Ländern.

Wir dachten eher an das Stichwort „Warteliste“.

Die Logimat 2020 war Ende Mai 2019 bereits so gut wie ausgebucht. Seit Sommer 2019 stehen die Hallenpläne. Seit August ist die Warteliste stetig gewachsen.

Klingt eigentlich gut, ist es aber nicht, oder?

Es ist in der Tat nicht einfach, wenn ein Aussteller im August anfragt und ich kann ihm nur noch die Warteliste anbieten. Es ist zwar ein Luxusproblem, aber dadurch wird es auch nicht kleiner.

Besteht denn die Möglichkeit der weiteren Erweiterung des Messegeländes?

Die Halle 11 ist in Planung. Aber da brauchen wir einen längeren Atem. Dennoch wird demnächst einiges passieren, auch was die Infrastruktur auf dem Gelände anbelangt. Es sind neue Parkhäuser in der Planung und auch die Zufahrtswege werden ausgebaut.

Was uns direkt in Richtung Besucher bringt. Mit wie vielen rechnen Sie in diesem Jahr?

Das ist schwer zu schätzen. Vor der Logimat 2019 hatte ich gesagt, dass wir sehr zufrieden sind, wenn wir 57.000 Besucher haben (2018 waren es rund 55.000 – Anm. d. Red.). Wir kamen dann bei über 60.000 heraus. Viel wichtiger als die bloße Zahl ist, dass die richtigen Fachbesucher kommen.

Also Qualität vor Quantität.

Ja, und unsere Aussteller bestätigen uns, dass wir auf der Logimat die richtigen Menschen zusammenbringen.

Die richtigen Menschen heißt, blickt man einmal auf den länderspezifischen Hintergrund, Deutschland ist Hauptland, gefolgt von Italien?

Richtig. Italien ist nach wie vor die Nummer zwei. Aber China und Holland sind dicht auf den Fersen …

… was sich durch die Epidemie des Coronavirus möglicherweise in diesem Jahr ändern kann. Sehen Sie da aktuell bereits Auswirkungen.

Das Coronavirus hat leider in der Tat Auswirkungen auf das Geschäft und damit auf die Teilnahme der chinesischen Aussteller. Wir haben eine Sonderreglung für die betroffenen Unternehmen getroffen. Mehr als 20 haben die Möglichkeit genutzt und kurzfristig ihre Teilnahme abgesagt. Viele werden den Stand mit Personal aus Europa besetzen. Es werden deutlich weniger Asiaten vor Ort sein.

Unabhängig davon: Die am Horizont auftauchende bzw. immer wieder in der Diskussion stehende Konjunkturflaute merkt man bei der Logimat nicht?

Zum Glück nicht. Ja, es wird immer wieder darüber gesprochen. Der Blick auf manche Unternehmenszahlen lässt möglicherweise einen solchen Schluss zu …

Aber?

Aber wir sollten keine Krise herbeireden – da sind wir Deutschen manchmal auch Weltspitze drin (lacht). Und bezüglich eines möglicherweise leichten konjunkturellen Rückgangs in der Branche jammern wir, wenn überhaupt, auf hohem Niveau. Wir begreifen Messen als Chance, die Innovationskraft der Branche zu präsentieren, wichtige Investitionen anzustoßen und so einer eventuellen Schwächung der Konjunktur entgegen zu wirken.

Kommen wir zurück zur Logimat. Was erwartet den Besucher?

Kurz gesagt, wieder alles, was die Intralogistik Innovatives hergibt.

Und etwas länger?

Auf das Fachpublikum wartet ein kompletter Überblick über die aktuellen Produkte und Innovationen der Intralogistik-Branche. Im Mittelpunkt stehen die wesentlichen Treiber und Herausforderungen der Intralogistik: Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz und die durchgängige Digitalisierung der Prozesse entlang der Supply Chain. Darüber hinaus die Vernetzung von Intralogistik und Produktion. Aber selbstverständlich auch die Hardware – diese wird nach wie vor benötigt und auf der Logimat gezeigt.

Also neben dem Thema Digitalisierung und dem Dauerbrenner Industrie 4.0 werden wir auch wieder klassische Flurförderzeuge zu sehen bekommen?

Sicher. Aber dabei geht es auch nicht immer nur um den reinen Stapler. Der Fokus liegt auch hier auf den Innovationen rund um das Flurförderzeug und das heißt in digitalen Zeiten die Konnektivität der Systeme mittels intelligenter IT.

Also auch digitale Vernetzung, Assistenzsysteme, Ergonomie und Sicherheit. Wie stellt man das auf einem, im Vergleich zu Hannover, kleinen Messegelände dar?

Klein ist bei 125.000 Quadratmetern relativ. Weniger Ballast und mehr Business war immer schon eine Erfolgsformel (lacht). Da gibt es verschiedene Ideen – von uns aber auch von den Herstellern selber. Zum Beispiel werden Linde und Jungheinrich erstmalig in den Ladehöfen Präsentationsflächen nutzen und Live-Demos vorführen.

Das Thema Fahrerlose Transportsysteme wird allerdings überdacht präsentiert?

Ja, alles, was mit Fahrerlosen Transportsystemen beziehungsweise Automated Guided Vehicle zu tun hat – inklusive Zubehör, ist erstmalig in der Halle 2 zuhause. Der Besucher erhält dort eine Komplettübersicht aller Systeme und hat so den unmittelbaren Vergleich.

Verlassen wir einmal den Flurförderzeug-Bereich und schauen auf den Bereich Krane und Hebetechnik. Was bewegt sich da?

Die Hebetechnik- und Kranhersteller findet der Besucher schwerpunktmäßig in Halle 7. Hier ist in diesem Jahr auch eine Reihe an neuen Ausstellern dabei, die ebenfalls sehr interessante und innovative Exponate im Gepäck haben.

Klingt nach Exoten.

Vertun Sie sich da mal nicht. Manche Aussteller mögen neu im Europäischen Markt sein, sind in anderen Märkten aber bereits etabliert.

Zum Beispiel?

Wir haben namhafte Aussteller aus Australien und Neuseeland, aber auch Taiwan, Japan, Südkorea und Thailand. Insbesondere Thailand ist interessant. Aufgrund der „Logimat Intelligent Warehouse“, die wir in Bangkok ausrichten ist in Zukunft auch hier mit Ausstellerwachstum aus Südostasien zu rechnen.

Aber der Charakter der Logimat bleibt bestehen?

Ja, unbedingt! Die Logimat bleibt eine Arbeitsmesse. Das ist unser Markenkern, diesen Weg gehen wir gemeinsam mit unseren Ausstellern weiter. Ein bisschen Show gehört auf jede Messe, aber im Fokus bleibt das Business.

Besteht die – nennen wir es einmal – Gefahr, zur Weltleitmesse zu werden?

Das ist keine Gefahr, denn das sind wir schon mindestens seit 2017, wenngleich wir das nicht überall drüberschreiben und die Marktposition der Logimat lieber dem Urteil unserer Besucher überlassen.

Also auch digitale Vernetzung, Assistenzsysteme, Ergonomie und Sicherheit. Wie stellt man das auf einem, im Vergleich zu Hannover, kleinen Messegelände dar?

Herr Ruchty, herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Technische Logistik 03/2020 PDF-Download (1.53 MB) Autor: J. Kaulfuhs-Berger