„ Spannend ist definitiv alles!“

„ Spannend ist definitiv alles!“

Ein Gespräch mit Michael Ruchty über die erste Logimat unter seiner Leitung

Blickt man auf die nackten Zahlen, ist Michael Ruchty eigentlich schon ein alter Hase. Seit nunmehr acht Jahren arbeitet der gelernte Kaufmann bereits bei der Euroexpo GmbH, die die Logimat veranstaltet, und ist dort seit drei Jahren auch aktiv im Projektmanagement tätig. Dennoch: Die diesjährige Logimat wird für ihn eine Premiere sein. Es ist das erste Mal, dass er die Hauptverantwortung trägt.

"Heißestes Thema ist mit Sicherheit die Künstliche Intelligenz." - Michael Ruchty, Messeleiter Logimat, Euroexpo GmbH (Quelle: Euroexpo)

Jan Kaulfuhs-Berger: Aufgeregt?

Michael Ruchty: Ja, positiv aufgeregt. Trotzdem gestehe ich, dass ich mich freue, wenn wir den ersten Messetag mit Eröffnung und Pressekonferenz gut überstanden haben.

Wie fühlt es sich an, die erste Logimat eigenverantwortlich durchzuführen?

Ich kenne ja die Logimat schon gut aus den vergangenen Jahren. Aber es ist spannend, jetzt an vorderster Front zu stehen.

Wir hatten bei der Logimat des vergan-genen Jahres das Gefühl, so richtig zu toppen gibt es da nichts mehr.

(lacht) Sie haben Recht, viel zu verbessern gibt es bei dieser Messe nicht. Das, was Peter Kazander vorgelegt hat, ist schon super. Es gibt aber hier und da sicher noch die eine oder andere Stellschraube, an der wir drehen können.

Zum Beispiel?

Sie werden sich vielleicht wundern, aber wir wachsen quantitativ noch einmal. In diesem Jahr belegen wir erstmals auch die Halle 2 sowie die Galerie in der Halle 1. Insofern gibt es weitere 5.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche.

Womit wir bereits bei den Zahlen, Daten und Fakten wären.

Also wir haben jetzt in toto über 120.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Wir rechnen für die Logimat 2019 mit rund 1.600 Ausstellern aus mehr als 40 Ländern. Das kann man relativ sicher sagen. Die Besucherzahl ist natürlich immer die große Unbekannte.

Und wenn wir einmal versuchen, diesbezüglich etwas hellzusehen?

Gut, wir hatten im vergangenen Jahr etwas über 55.000 Besucher an drei Messetagen. Wenn wir 2019 auf 57.000 plus X kommen, bin ich sehr zufrieden.

Bleiben wir noch kurz bei den internationalen Ausstellern, aus über 40 Ländern sagten Sie. Neben Deutschland, wo kommen diese her?

Ganz klar Zentral-Europa. Zweitgrößtes Ausstellerland nach Deutschland ist Italien, übrigens gefolgt von den Niederlanden. Aber wir haben in den vergangenen Jahren auch einen signifikanten Anstieg von Unternehmen aus Fernost zu verzeichnen. Allein China und Taiwan sind in diesem Jahr mit über 50 Ausstellern auf der Logimat vertreten.

Das sind Unternehmen, die hier in Europa auch aktiv sind?

Ja. Ganz grundsätzlich gesagt, ist Zentral-Europa für diese Unternehmen ein sehr interessanter Markt. Und keiner kommt nach Stuttgart, um in China Kunden zu gewinnen.

Sie sprachen von China und Taiwan, dabei bleibt es aber nicht, wenn wir nach Asien blicken, oder?

Nein, wir haben auch eine ganze Reihe an Ausstellern aus anderen Ländern in Fernost, beispielsweise aus Japan oder Südkorea. Aber auch aus anderen Regionen Asiens, wie Indien oder Vietnam.

Wechseln wir einmal von den quantitativen Kennzahlen der Messe auf die qualitative Seite.

Es wird auch in diesem Jahr wieder viel Neues auf der Logimat zu entdecken geben. Aber ganz grundsätzlich: Über die Qualität unserer Aussteller müssen wir nicht reden. Die spricht seit Jahren für sich.

Ok, versuchen wir es anders. Was sind denn die Trendthemen auf der diesjährigen Logimat?

Heißestes Thema ist die Künstliche Intelligenz. Das Thema findet sich in jedem zweiten Forum wieder. Und natürlich die Dauerbrenner Industrie 4.0, Vernetzung, Digitalisierung, Automatisierung und so weiter. Auch in diesem Jahr gibt es aber wieder zahlreiche, so genannte analoge Themen, wie neue Verpackungsmaschinen, Hallenbau oder Ladungssicherung.

Früher hieß es auf der Logimat, das ist die Staplerhalle, dies ist die Halle mit der Fördertechnik und in jener befindet sich die Software. Diese Aufteilung klappt wohl so nicht mehr?

Na gut, reduziert werden möchte heutzutage keiner mehr auf nur ein Thema. Das würde ja auch die Realität der Branche nicht widerspiegeln. Aber dennoch: Die Maschinen, die Exponate – ja, auch und gerade die Stapler – sind natürlich Eye-Catcher. Aber jeder Aussteller bietet rund um seine Produkte auch Lösungen an, die dann in Gesprächen mit den Fachbesuchern vertieft werden. Letzteres, der Arbeitscharakter der Messe, ist übrigens ein unverwechselbares Aushängeschild der Logimat.

Es gab früher den Trend, dass der Aussteller, sagen wir einmal, seine Hardware in Halle A präsentiert und seine Software in Halle B. Dem ist nicht mehr so, hören wir heraus.

Es gibt natürlich noch Aussteller, die mehrere Stände in unterschiedlichen Hallen bespielen. Aber Sie haben Recht, der Trend geht zurück. Das ist zum einen natürlich den Platzverhältnissen in Stuttgart geschuldet. Zum anderen, und das ist der wichtigere Aspekt, möchten die Unternehmen ihre Lösungen auf einem Stand präsentieren.

Abseits der oben angesprochenen Themen, was bewegt die Messe noch?

Das ist ganz klar E-Commerce. Die Kompetenzplattform Trade World, die dieses Thema bespielt, wird in diesem Jahr in besagter Halle 2 beheimatet sein.

Was erwartet den Besucher dort?

In erster Linie werden auf der Trade World Handelsprozesse abgebildet.

Also im Grunde: Was passiert von der Bestellung bis zu dem Zeitpunkt, wenn die Ware beim Kunden eintrifft.

Ja, sogar noch weiter – bis zum Retouren-Handling. Und dieses Thema schlägt sich auch in unterschiedlichen Fachforen nieder. Zudem wird die Kompetenz der Handelslogistik über die gesamte Messe hinweg getragen. Das wiederum hat zur Folge, dass Unternehmen, wie zum Beispiel Vanderlande, Swisslog, oder Kito, die auch entsprechende E-Com-merce-Lösungen haben, diese in anderen Hallen präsentieren – und somit ebenfalls etwas zu diesem sehr wichtigen Thema beitragen.

Kommen wir bitte noch einmal zur vor-herigen Frage zurück: Von der Bestellung bis zur Lieferung und darüber hinaus.

Ja, und hier gehen wir richtig in die Tiefe. Wir zeigen auf der Logimat, wie diese einzelnen Kanäle bespielt werden. Wie letztendlich diese gesamte Kompetenz, die unter Omni-Channel zusammengefasst wird – oder auch Connected Commerce, um einmal einen neuen Begriff zu verwenden – in der Praxis überhaupt funktioniert.

Und wie funktioniert sie?

Das geht nur durch das perfekte Zusammenspiel der einzelnen Prozesse. Und diese Prozesse, die logistischen Prozesse, sind am Ende des Tages das Geheimnis eines erfolgreichen E-Commerce-Geschäfts.

Also bis 18 Uhr bestellt und am nächsten Tag geliefert.

Richtig. Es geht im Grunde um die notwendigen Mechanismen, Kommissionier-Strategien – um das richtige Warenwirtschaftssystem, das genau weiß, in welchem Lager das bestellte Produkt vorhanden ist und wie dieses am Schnellsten und Kosteneffizientesten zum Kunden gelangt.

Sie sprachen schon mehrfach das Rahmenprogramm an. Wir nehmen an, alles ist spannend. Aber was ist am Spannendsten?

(lacht) Also wir haben 30 Fachforen mit über 100 Experten aus Wirtschaft und Forschung an drei Messetagen. Dazu kommen drei Live Events und 125 Ausstellervorträge. Wie eingangs schon erwähnt, Künstliche Intelligenz und auch Big Data findet sich hier sehr oft wieder. Die Logimat bildet das gesamte Themenspektrum rund um die Intralogistik ab. Es gibt Themen für Praktiker wie für Strategen. Und spannend ist definitiv alles.

 Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Technische Logistik 02/2019 PDF-Download (1.75 MB)